Kackbraten

Heute bat mich der Viertklässler, eine Geschichte auszudrucken.

Ich schwöre, ich schnüffel nicht in seinen Sachen rum! Und er hat mich auch keine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben lassen! Ich bin mir dennoch ziemlich sicher, dass ich Autorenrechte verletzen werde, wenn ich hier eine Sneak-Preview (oder heißt das dann Pre-Read??) veranstalte:

„Sie brachen in die Schule ein und gingen ins Lehrerzimmer. Sie änderten ihre Zeugnisse […] Weil sie Hunger hatten, stahlen sie eine Süßigkeit vom Direktor, Herr Kackbraten.“

Als staatlich verfügter Agent und Lektor dieses aufstrebenden, jungen Autors bereite ich mich mental auf jede Menge Unterlassungserklärungen vor, wenn wir mit diesem Werk an die Öffentlichkeit gehen werden.

 

Corona und die kids

Corona ist natürlich auch ein Thema für und im Kinderzimmer.

Gestern, am Sonntag, sind wir friedlich vom Park mit dem Fußball zurückgelaufen. Drei Häuser weiter in unserer Straße ein Krankenwagen. Ohne Blaulicht. Ganzkörperverhüllte Sanitäter halfen gerade einen älteren Mann mit Atemschutzmaske in den Wagen. Unaufgeregt. Genauso unaufgeregt der Kommentar des fast Zehnjährigen: „Das ist wegen des Corona-Virus.“ So richtig hatte ich nicht sofort eine Antwort parat. War erst einmal klammheimlich froh, dass der potenzielle Patient auf der Straßenseite gegenüber einstieg. Sicherheitsabstand.

Bei uns in Bonn ist das Thema ja schon präsent. Im Viertel war es just die Grundschule, auf die unsere Kinder nicht gehen, die jetzt in Quarantäne ist. Aus der weiterführenden Schule unseres Sechstklässlers das ebenfalls eher lapidare Kommentar, dass Mitschüler  P. in Quarantäne sei, wegen seiner kleinen Schwester just auf jener Grundschule. Die andere Mama, die dort an der OGS arbeitet und just in der Woche, in der der erste Fall dort auftrat, glücklicherweise Urlaub hatte. Das Fußballspiel gegen die Mannschaft der International School (nächster Infektionsfall), wo just der Jahrgang 2012 (nicht unserer) unseres Fußballvereins ein Spiel am vergangenen Samstag gehabt hätte. Abgesagt.

Das Thema ist auch für die Kinder präsent und sehr konkret. Totschweigen hilft da nicht. Und wäre auch blöd. Da lobe ich mir doch die Kindernachrichtensendung Logo, die neben den allfälligen Tipps einfach mal ein Interview mit dem ersten Infizierten in Deutschland gemacht hat. Subtext: Mir geht es gut, und ich bin wieder gesund.

Doch klar ist, eine Attitüde geht nicht im Gespräch mit den eigenen Kindern gar nicht. So tun, als ob Papa alles im Griff hat und Mama alles weiß, ist nicht. Zumindest in der Altersgruppe an Kindern zwischen sieben und elf – der unsrigen Kinderschar – ist das auch auch nicht notwendig. Die Kinder verstehen, dass diese Situation auch für Erwachsene neu ist. Auf keine Erfahrungswerte zurückgegriffen werden können. Und das ist auch eine Chance für das Gespräch von Eltern und Kindern.

Wie oft wissen denn Kinder nicht, wie es weitergehen soll! In vielen Belangen des Lebens. Herleiten aus Bekanntem, Ableiten aus bereits Gelerntem, logische Schlüsse ziehen, Wissen, das bereits vorliegt, anwenden. Und da sitzen wir nun mit den Kindern im gleichen Boot. Gemeinsam bewertet man neue Informationen, lehnt einiges als Quatsch ab, stuft andere Sachen so ein, dass man sie ins Leben nimmt. Händewaschen ist nun Pflicht. Richtig. So wie es überall gezeigt wird. Ein Krankenwagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist kein Grund, kreischend davonzulaufen. Die Verkleidungen der Herren und Damen Sanitäter keine Mummenschanz aus der Geisterbahn, sondern pragmatische Notwendigkeit. Dann sieht das Ganze schon nicht mehr so gefährlich aus. Gut ist es. Und dem älteren Herren, der da gerade mitfahren muss, wünschen wir alle viel Glück, dass der Verdachtsfall am Ende dann keiner mehr ist.

vom Palindrom zum Palindrömchen

Huch, war mir gar nicht klar, bis ich heute in der FAZ gelesen habe, dass wir einen wunderschönen Palindromtag heute haben. Nein, das ist keine Krankheit und auch kein Feiertag. Einfach eine Zeichenkombination, die von vorne wie von hinten gleich gelesen werden kann. Schöner, ausführlicher und besser erläutert das Wikipedia.

02.02.2020

Das ist schon was, vor allem, wenn die FAZ hier verweist, dass der letzte Datumseintrag, der von vorne und von hinten gleich gelesen werden kann, der 11.11.1111 war. Etwas länger her.

Und als stolzer Papa möchte ich schon hinzufügen, dass unser Jüngster am

3.1.13

geboren wurde. Das ist jetzt eher ein Palindrömchen, aber immerhin hat der junge Herr das damals gleich damit kompensiert, als dass er um Punkt 13 Uhr das Licht der Welt erblickte.

Deswegen ein kleiner Gruß an alle magischen Zahlengeburtstage mit Palindrom oder ohne.

Und ein besonderer an meine längst verstorbene Großmutter, die mit dem Geburtsdatum

19.08.1908

mich schon als Kind beeindruckte.

 

You mudlark!

Ich bin generell nicht sonderlich begeistert, wenn mich abends, spät abends, nach getaner Hausarbeit noch ein paar Schulhefte erwarten. Sorgfältig aufgeschlagen, teils mit Zetteln versehen, erinnern sie mich stumm daran, dass ich den Kindern versprochen hatte, noch einen Blick darauf zu werfen. Klar, 23:00 Uhr, ich halte mein Wort, lieber Herr Erstklässler, Herr Viertklässler und Herr Sechstklässler.

Wenn dann aber in der sechsten Klasse im Englischunterricht irgendein wahnsinniger Schulbuchredakteur es für didaktisch angemessen findet, das Wort ‚mudlark‘ einzuführen, flippe ich aus. Ja, ich bin kein Philologe und sicherlich sind Texte in einer Fremdsprache nur halb so spannend, wenn sie sich nur aus Worten zusammensetzen, die sehr häufig in dieser Fremdsprache gebraucht werden. „Lucky charm“ war so ein Eintrag im Englisch-Vokabelheft in der fünften Klasse. Aber dafür gab es wenigstens noch eine deutsche Entsprechung („Glücksbringer“).

Ich weiß nicht, was der erwähnte Schulbuchredakteur geraucht haben muss, als er dachte, ‚mudlark‘ ist ein Wort im Englischen, welches ein Elfjähriger schon beherrschen sollte. Aber spätestens, als er herumtüftelte, ob es denn dafür eine deutsche Übersetzung geben könne, müsste ihm doch aufgefallen sein, dass das vielleicht kein Geistesblitz war. Aber nein, er hat wohl weiter geraucht. Und so hat mein Sprössling brav die Vokabelliste in sein Vokabelheft übertragen. Die Spalte im DIN A 5 – Vokabelheft war hier halt etwas eng, aber man kann es immer noch entziffern: „Jemand, der im Schlamm nach Sachen sucht, die er dann verkaufen kann.“ Hej, da müsste man doch ein Nomen finden können: Verschlammtesachenverkäufer oder so ähnlich.

Und morgen am Frühstückstisch muss ich wieder so tun, als wäre es doch wirklich, jeden Tag, und in allen Belangen, sinnvoll und sinnstiftend, in die Schule zu gehen.

Ich alter Heuchler.

 

Stikeez – der Ersatz für die paninilose Zeit

Es ist für alle hart. Diese Zwischenjahre zwischen EM und WM. Hart für uns: Kinder, Konsumenten, Konzerne. Was soll man bloß sammeln, wenn es keine Nationalmannschafts-Sammelbilder in 38 Varianten gibt?

Natürlich kann man WMF-Punkte oder Ähnliches bei Edeka mitnehmen. Regelmäßig liegen solche abgerissen Klebestreifen bei uns noch rum. 22 Kleberchen, und man bekommt einen WMF-Topf 5 Euro billiger. Aber der Reiz verfliegt, wenn man den gleichen WMF-Topf bei Amazon schon 10 Euro billiger bekommt. Ganz ohne Kleberchen.

So oder ähnlich muss ein Brainstorming in einer Marketingabteilung bei einem Discounter vor Jahren mal abgelaufen sein. Und dann hatte jemand den Geistesblitz der Stikeez. Ich habe recherchiert, aber Mr. Google konnte mir nicht sagen, woher dieser Namen kommt. Jedenfalls sind die kleinen Weichteilpropfen einfach zu süß für die Kleinen.
Naja, nach den Gemüse-Stickeez von Lidl im vergangenen Jahr ist jetzt halt mal Aldi mit den Smiley-Stickeez dran.

Der Lerneffekt ist immens. Selbst in den Pausenhöfen der Grundschule wird das Gesetz von Angebot und Nachfrage (ein Einhorn gegen drei Glitzersmileys) in die Praxis umgesetzt. Wer fordert da noch ‚Wirtschaft‘ als reguläres Schulfach? Ok, außer der FDP natürlich.

Seit einem Monat kaufen wir nur noch bei Aldi ein. Und unser Sechsjähriger sagt: „Wir MÜSSEN bei Aldi einkaufen, auch wenn es mal nicht so gut schmeckt.“ Zum Beispiel die versalzenen Bio-Maultaschen dort, sorry, Aldi, geht gar nicht. Selbst die Schmalspur-Ökonomen (also, ähm, die Marketingheinis) müssen erkennen, das sind absolute Best-Practice-Lernerfolge.

Wir sind also dabei, sind freundlich zu den Damen und Herren vor und hinter uns in der Warteschlange an der Kasse. Kann man ja mal immer was abstauben, wenn sie so kinderlos aussehen. Und an der Kasse natürlich zuckersüß zum Personal. Dann gibt es mal ein Schächteln ‚Stickeez‘ obendrauf.

Herbsteszeit ist Sammelzeit. Outdoor wie Indoor. Viel Spaß.

Rechtschreibnazi Folge 2

Ich habe mich vor einiger Zeit darüber ausgelassen, dass man sich meiner Meinung nach in der deutschen Sprache doch bitte schriftlich so bewegen solle, wie es die Rechtschreibung vorgibt. Und mich gewundert, dass man für sachdienlich gemeinte Hinweise (nein, es heißt nicht „Oma’s gemütliche Kneipe“, sondern eben „Omas gemütliche Kneipe“) dann schon eine Hakenkreuz-Watschen bekommt. „Rechtschreibnazi Folge 2“ weiterlesen

Abschiedsallergie

Es war der Moment, vor dem wir ein bisschen ein flaues Gefühl im Magen hatten. Seit 2012 waren unsere Kinder im Kinderhaus. Der Große, der Mittlere und dann auch der Kleine. „Abschiedsallergie“ weiterlesen

Ist Prozentrechnen wichtig? – Jein

Und weil wir Eltern doch gerade alle unsere Nasen in die Zeugnisse des Nachwuchses stecken: Leider hatte ich heute beim Wochenendeinkauf in Lidl den Nachwuchs nicht dabei. Denn ich hätte dann schon darauf hingewiesen, dass Mathe – hier Prozentrechnen – in allen Dingen des Lebens steckt.

Aber wahrscheinlich hatte mich dann der Nachwuchs mit seiner Tendenz, künftig als Psychologe im Marketing zu arbeiten, darauf hingewiesen, dass der Trigger „BILLIGER“ oder „10% weniger“ absolut ausreicht, um die Kaufentscheidung des Kunden auszulösen. Egal, ob es mathematisch stimmt oder nicht. 🙂

Zeugnis geben

Landauf landab wird zu Schuljahresende das Thema der Zeugnisse wieder diskutiert. Und das ist auch gut so: „Du sollst kein falsch Zeugnis geben wider deinen Nächsten“, mahnt uns das alte Testament schon im achten Gebot Mose (5. Buch Mose, 5.20). Und wenn auch,  ich gebe es ja zu, der gute alte Moses weniger die Zeugniskonferenz der Schule an der Ecke im Sinn hatte, so beruft sich ja der moderne Gebrauch des Wortes „Zeugnis“ schon darauf, grundehrlich eine Aussage über jemanden anderen, den Schüler, treffen zu wollen. „Zeugnis geben“ weiterlesen

Geht’s Dir gut oder musst Du das Buch von Anke Willers lesen?

Heute habe ich ein paar Auszüge des Buchs von Anke Willers„Geht’s dir gut oder hast du Kinder in der Schule?“, das in der FAZ seine kostenfreie Werbung bekommen hat, gelesen.

„Geht’s Dir gut oder musst Du das Buch von Anke Willers lesen?“ weiterlesen