Gelassenheitsprüfung – ich glaube mich tritt ein Pferd!

Ich bin vielleicht ein Narr. Aber kein Pferdenarr. Wer dies ist, mag meine Unwissenheit verzeihen oder hier einfach wegklicken. „Gelassenheitsprüfung – ich glaube mich tritt ein Pferd!“ weiterlesen

Das Rheinland und der heilige Martin oder….

Ich weiß nicht, ob Sie es schon manches Mal an meiner Schreibe gemerkt haben. Ich bemühe mich darum, es zu verhindern. Aber bei uns sagt man halt: „Kannst Du mal heben?“ und nicht „Kannst Du mal halten?“ Wir aus dem Süden wollen hoch hinaus. Und wir haben es dafür ein bisschen schwerer im Rest der Republik. Auch hier, im Rheinland. Können logo alles, außer Hochdeutsch.

Ich erinnere mich nur zu gut daran, dass einer meiner ersten Anrufe an neuer Arbeitsstelle in Bonn mich mit jemandem des International Office der hiesigen Universität verband. Und hörte dort mit wachsendem Amüsement: „Ach, Sie sind aus dem Schwabenland. Glücklicherweise hört man das nicht so raus.“ Danke, dachte ich mir, interkulturell äußerst sensible Arbeitseinheit, dort an der Uni Bonn. Naja, inzwischen sage ich auch „Tschööö“ beim Bäcker und nicht mehr „Tschüßle“.

Und doch hat mich der Familienstand in Bonn mit einigen Besonderheiten im Rheinland vertraut gemacht, die ich mir so hätte nicht träumen lassen. Dazu gehört auf jeden Fall das Martinsfest. Hier im Rheinland, so scheint es mir, ist das von der Wichtigkeit so was wie Weihnachten und Ostern zusammen. Wohl nur noch getoppt vom Karneval („Fasnet“, wie ich eigentlich dazu sagen sollte). Noch als wir keine Kinder hatten, erstaunte ich mich doch sehr, triefend nasse kleine Zipfel gefolgt von einem ebenso triefend nassen St. Martin auf triefend nassem Pferd tapfer die Strasse entlangziehen zu sehen. Selbstverständlich, auf einer von ebenso triefend nassen Polizisten gesperrten Straße. Aber damals radelte ich schnell vorbei, ohne einen weiteren Gedanken zu verlieren und rettete mich in mein gemütliches Zuhause. Nichts ahnend, dass mich dieses Ritual auch einmal treffen würde.

Dieses Jahr wird es besonders lustig, da Kinder eins bis drei in drei unterschiedlichen Einrichtungen sind. Drei Züge an drei unterschiedlichen Tagen stehen an. Ich habe die heimliche Hoffnung, dass es an einem der drei Termine nicht regnet. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Wenigstens amortisieren sich die Laternen. Und der Begriff ‚Fackelstock‘ hat sich bei uns auch schon eingebürgert. Und dass das Rheinland einmal preussisch besetzt war, merke ich an dem Schreiben unserer Grundschule zum Martinszug: „Jede Klasse soll von 2 Eltern begleitet werden, alle anderen Eltern mögen bitte HINTER den Klassen den Zug begleiten, damit ein einheitliches kompaktes Bild des Laternenzugs entsteht.“

Zugegeben, das erste Mal war es ein Schock für mich. Nach dem üblichen Regen und dem inbrünstigen Gesang – ich hatte den Eindruck, ich sei der einzige, der die Liedtexte nicht auswendig konnte – endete der Zug im Hof des Kindergartens. Ich, von der Pädagogik dieser Einrichtung voll überzeugt, erwartete trotz gewisser Vorahnungen ein an Kleinkinder angepasstes Spektakel. Und wurde eines besseren belehrt. Der Holzkistenstapel zog imposant drei bis vier Meter in die Höhe. Und die Damen Erzieherinnen, die ich sonst einfühlsam und kindgerecht erlebt hatte, waren mit Feuereifer dabei, aus diesem Stapel der Gasabfackelung der Kölner Raffinerien Konkurrenz zu machen. Schmunzelnd, mit einem Funkeln in den Augen, wandte sich die Leiterin der Einrichtung mir zu: Vor ein paar Jahren hätten sie ganz innovative, nicht splitternde Plastikfenster für den Kindergarten bekommen. Tja, und an Sankt Martin, seien sie weggeschmolzen. Seither würden sie das Martinsfeuer kleiner halten. Meine Wangen glühten. Der Funkenflug war gigantisch. Ich nickte verständnisvoll. Die Kinder hatte ich nicht mehr im Blick. Als Bönn’sche Jungs musste ihnen das aber irgendwie als normal vorgekommen sein. Sie sprangen wie wilde Kobolde im flackernden Feuerschein. Für den Regen, glaube Sie es mir oder nicht, war ich sehr dankbar. Wassereimer hätten hier im Falle eines Falles nicht gereicht.