Kackbraten

Heute bat mich der Viertklässler, eine Geschichte auszudrucken.

Ich schwöre, ich schnüffel nicht in seinen Sachen rum! Und er hat mich auch keine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben lassen! Ich bin mir dennoch ziemlich sicher, dass ich Autorenrechte verletzen werde, wenn ich hier eine Sneak-Preview (oder heißt das dann Pre-Read??) veranstalte:

„Sie brachen in die Schule ein und gingen ins Lehrerzimmer. Sie änderten ihre Zeugnisse […] Weil sie Hunger hatten, stahlen sie eine Süßigkeit vom Direktor, Herr Kackbraten.“

Als staatlich verfügter Agent und Lektor dieses aufstrebenden, jungen Autors bereite ich mich mental auf jede Menge Unterlassungserklärungen vor, wenn wir mit diesem Werk an die Öffentlichkeit gehen werden.

 

You mudlark!

Ich bin generell nicht sonderlich begeistert, wenn mich abends, spät abends, nach getaner Hausarbeit noch ein paar Schulhefte erwarten. Sorgfältig aufgeschlagen, teils mit Zetteln versehen, erinnern sie mich stumm daran, dass ich den Kindern versprochen hatte, noch einen Blick darauf zu werfen. Klar, 23:00 Uhr, ich halte mein Wort, lieber Herr Erstklässler, Herr Viertklässler und Herr Sechstklässler.

Wenn dann aber in der sechsten Klasse im Englischunterricht irgendein wahnsinniger Schulbuchredakteur es für didaktisch angemessen findet, das Wort ‚mudlark‘ einzuführen, flippe ich aus. Ja, ich bin kein Philologe und sicherlich sind Texte in einer Fremdsprache nur halb so spannend, wenn sie sich nur aus Worten zusammensetzen, die sehr häufig in dieser Fremdsprache gebraucht werden. „Lucky charm“ war so ein Eintrag im Englisch-Vokabelheft in der fünften Klasse. Aber dafür gab es wenigstens noch eine deutsche Entsprechung („Glücksbringer“).

Ich weiß nicht, was der erwähnte Schulbuchredakteur geraucht haben muss, als er dachte, ‚mudlark‘ ist ein Wort im Englischen, welches ein Elfjähriger schon beherrschen sollte. Aber spätestens, als er herumtüftelte, ob es denn dafür eine deutsche Übersetzung geben könne, müsste ihm doch aufgefallen sein, dass das vielleicht kein Geistesblitz war. Aber nein, er hat wohl weiter geraucht. Und so hat mein Sprössling brav die Vokabelliste in sein Vokabelheft übertragen. Die Spalte im DIN A 5 – Vokabelheft war hier halt etwas eng, aber man kann es immer noch entziffern: „Jemand, der im Schlamm nach Sachen sucht, die er dann verkaufen kann.“ Hej, da müsste man doch ein Nomen finden können: Verschlammtesachenverkäufer oder so ähnlich.

Und morgen am Frühstückstisch muss ich wieder so tun, als wäre es doch wirklich, jeden Tag, und in allen Belangen, sinnvoll und sinnstiftend, in die Schule zu gehen.

Ich alter Heuchler.

 

Rechtschreibnazi Folge 2

Ich habe mich vor einiger Zeit darüber ausgelassen, dass man sich meiner Meinung nach in der deutschen Sprache doch bitte schriftlich so bewegen solle, wie es die Rechtschreibung vorgibt. Und mich gewundert, dass man für sachdienlich gemeinte Hinweise (nein, es heißt nicht „Oma’s gemütliche Kneipe“, sondern eben „Omas gemütliche Kneipe“) dann schon eine Hakenkreuz-Watschen bekommt. „Rechtschreibnazi Folge 2“ weiterlesen

Abschiedsallergie

Es war der Moment, vor dem wir ein bisschen ein flaues Gefühl im Magen hatten. Seit 2012 waren unsere Kinder im Kinderhaus. Der Große, der Mittlere und dann auch der Kleine. „Abschiedsallergie“ weiterlesen

Das Kaktusproblem

Gerade gehört –  Dialog zwischen Mutter und Sohn vor dem Einschlafen: „Das Kaktusproblem“ weiterlesen

Von Maibäumen in Kindergärten

Mit den rheinländischen Bräuchen kann ich als Schwabe im Bonner Exil (entschuldigt, das ist jetzt etwas zu hart) nicht immer was anfangen. „Von Maibäumen in Kindergärten“ weiterlesen

Ein überzeugter Rechtschreibnazi

Da ich noch ohne Social Media meine Sozialisation durchlaufen habe, sind mir manch gängige Termini dieser Welt fremd. Manche machen neugierig (ich gestehe, ich konnte mit meinem ersten „wtf“ genauswenig anfangen wie der Rest der Welt mit Trumps „covfefe“), manche übernehme ich, manche bleibe mir dauerhaft fremd, und ich lehne sie ab: Zu letzterem gehört der Begriff ‚Rechtschreibnazi‘. Ich finde es absolut widerwärtig, wie jemand einen oberflächlichen Zusammenhang zwischen Reinheit der Rasse und Reinheit (vulgo: Korrektheit) der Sprache konstruiert. „Ein überzeugter Rechtschreibnazi“ weiterlesen

Signale aus der Windel…

… sage ich nur. Das ist eine kleiner Abschnitt eines Artikels aus der heutigen FAZ: Auf einer Medizinmesse wurde ein Sensor vorgestellt, ich zitiere, „der via Bluetooth anzeigt, wann eine Windel gewechselt werden sollte. Das in verschiedenen Größen verfügbare Gerät kann an Windeln für Kinder und für Erwachsene eingesetzt werden.“ Nun mal in allen Ehren die Thematik, was die Älteren angeht, schließlich sind wir hier (noch) nicht auf dem Opa-Blog. „Signale aus der Windel…“ weiterlesen

Ich dreh‘ am Rad (der Zeit)

Eigentlich ist mir die ganze Diskussion um Sommer- oder Winterzeit ziemlich wurst. Mit kleinen Kindern ist der Biorhythmus eh am A…. Aufgestanden wird, wenn der Nachwuchs ruft, zu gleich welcher Tages- oder Nachtzeit. Geschlafen wird immer dann, wenn es möglich ist. Oder auch unmöglich, im Stehen bespielsweise. Das Schlafbedürfnis hat im Hypothalamus schon lange Vorrang vor irgendwelchen Biorhythmus-Anforderungen. 5 Minuten nichts zu tun? Einschlafen, sofort. Funktioniert. Immer. Bei jedem. „Ich dreh‘ am Rad (der Zeit)“ weiterlesen

Kerkyon allein auf dem Klo

In dieser meiner Rubrik „Fundstücke“ möchte ich meistens Kommentare ablassen, die mir das ehrwürdige Medium (ZEIT online, Spiegel online, was man halt so liest) in der Regel in dessen Kommentarspalten verwehrt. Heute, ich gestehe, ist die Nachricht als solches der Brüller. Und hat mich bezüglich meiner Berufswahl ins Grübeln gebracht. Vielleicht wäre die Juristerei doch etwas für mich gewesen? „Kerkyon allein auf dem Klo“ weiterlesen