Da wird es mir schlecht!

Liebe FAZ-Net, ein netter Beitrag zu Ferienbeginn (warum kann es Kindern auf Autofahrten schlecht werden , und was kann man dagegen unternehmen).

Muss das aber mit einem solchen Bild unterlegt werden? Die Süßen, wie schön sie schlafen. Nein. Kein Kind darf in diesem Alter so ohne Kindersitz im Auto fahren. Mir wird schlecht bei dem unsensiblen Verhalten des Bildredakteurs.

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Da bleibt mir die Luft weg

ZEIT ONLINE ist heute mit einem eindeutigen Sommerlochthema dran: Ein ‚Wissenschaftler‘ (ich kann das nur in Anführungszeichen schreiben) hat festgestellt, dass gebundene Krawatten ggf. die Blutzufuhr der Krawattenträger ins Gehirn drosseln könnte. Nun wäre dies ja ein leidlich schönes Thema: Allenthalben ist in der Arbeitswelt bekannt, dass die Zahl der Krawattenträger in schön hierarchischer Linie ansteigt. Und nun sich auszumalen, dass damit einher eine Sauerstoffunterversorgung geht, die zu suboptimalen Entscheidungen führt, ist natürlich für jeden Subalternen ein Glücksgefühl.

Aber halt, eben zu schön, um wahr zu sein. Im Setting dieser ‚wissenschaftlichen‘ Untersuchung wurden die Probanden darum gebeten, den „Windsorknoten binden und so fest zuziehen, bis sie sich damit leicht unwohl fühlten.“ (Das ist ein Zitat). Aha, ich schnüre mir den Hals ab und stelle fest, dass mein Oberstübchen nicht mehr richtig funktioniert. Das als wissenschaftliche Erkenntnis zu verkaufen, ist schon starker Tobak. Und für die ZEIT ONLINE ein Zeichen dafür, dass die Meldungen der Agenturen im Sommerloch schon rar werden.

Übrigens, ich habe die Studie kurzerhand ausgeweitet. Ich bat 8 Probanden darum, den Krawattenknoten ganz fest zu ziehen. Ich würde im Übrigen auch helfen. Die Sauerstoffzufuhr wurde um 100% abgeschnitten. Proband tot, ein Ableben für die Wissenschaft.

Ich tu‘ mich jetzt mit den Kollegen aus der Jurisprudenz zusammen. Wir stellen mal eine Schadensersatzklage gegenüber den wichtigsten Krawattenproduzenten auf. Sie hatten in ihren Bedienungsanleitungen leider vergessen, auf diese tödliche Gefahr des zu engen Windsorknotens hinzuweisen.

Achja, und jetzt weiß ich auch, warum die Kinderkrawatten immer so ein lockeres Gummiband haben. Die ‚Wissenschaft‘ hilft halt immer.

 

CV – Curriculum Vitaminae

Der 5-jährige Ninja möchte zum Frühstück seinen Orangensaft nicht trinken.

Ich: Du bist noch im Wachstum, Du brauchst noch viel Vitamine.

Er: Hmm. Und Du wächst nicht mehr.

[Denkpause]

Für Dich kommt nur noch die Opizeit.

[Denkpause]

Und dann bist Du tot.

Ich [gedanklich]: Bitte, ganz viel Vitamine. Jetzt. Für mich!

 


 

Das war der lustige Teil. Das Gespräch ging eigentlich noch sehr schön weiter. Der Nachwuchs sinnierte über seine Omas und Opas, die es dann gar nicht mehr so lange geben würde. Und dann kam er zum Schluss, dass er doch so viel Zeit als möglich mit ihnen (noch) verbringen möchte. Herzerwärmend.

 

Von der WM zur Ahnenforschung

Nach dem Ausscheiden der deutschen und nun der spanischen Nationalmannschaft wird es natürlich für unsere deutsch-spanische Familie ganz schwierig mit dem Weiterfiebern.

Doch die Jungs halten ganz gut mit. Zu EM 2016-Zeiten nach dem Aus der Deutschen gegen Italien waren Spaghetti, Pizza und Eis tabu. Ein Beleidigtsein des Nachwuchses, wie man es eigentlich nur von Donald Trump kennt. Glücklicherweise ist bei uns russisches Essen nicht auf dem regulären Speiseplan.*

Ein kurzes „Pfannkuchen wollen wir nicht mehr!“ kam als wütender Aufschrei (Die Kindernachrichtensendung Logo hatte Pfannkuchen als Leibspeise der Russen angedeutet). Aber mit einem beschwichtigenden „Dann essen wir halt Crêpes“ konnte diese Gefahr für Leib und Magen abgewendet werden.

Schwieriger wird es nun, welcher – verbleibenden – Nationalmannschaft wir unser Herz schenken wollen. In der Familie wird nun Ahnenforschung betrieben. Momentan gehen wir mit Kolumbien, die Familie der spanischen Gattin hat da viele Jahrzehnte gelebt. Und sonst muss halt mein Blogname Andreas Clevert ran: ‚Clevert‘ verweist auf die real existierende mütterliche Linie, wo meine hugenottischen Vorfahren nach der Bartholomäusnacht nach deutschen Landen auswanderten. Na, ein Glück, dass es damals den Seehofer noch nicht gab. Für wen hätte man denn sonst noch bei der WM dann sein können?

*Wobei: Wenn mir jemand ein Land nennt, wo Nutella das Leibgericht ist, würde ich alles dafür geben, dass Deutschland gegen dieses Land verliert. Dauerhaft.

auch erschienen auf Madrid für Deutsche – Das Service- und Informationsportal für die deutschsprachige Community in Madrid

Vom Thore schießen – allez les bleus!

Ich weiß nicht, was die WM noch bringt, aber einer geht auf jeden Fall noch. Und ich weiche sogar von meiner Regel ab, hier keine Klarnamen zu bringen.

Ich hatte mich bereits darüber ausgelassen, dass es für binationale Familien gar nicht so schwer ist, bei der Weltmeisterschaft weiter dabei zu sein. Klar, man geht ja auch in der Regel im Gegensatz zu den Biodeutschen mit doppelt so viel Mannschaften ins Rennen. Ich, großer Opportunist, habe beispielsweise gleich nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft, in den persönlichen whatsapp-Einstellungen die deutsche Flagge, die da neben Fußball und der spanischen Flagge stand, gelöscht und durch den Spruch ersetzt: „Never change a winning team“. Hoffen wir mal, das hält.

Als ich mit dem Kleinen (5 Jahre) vergangenen Freitag auch noch den älteren Bruder aus der Grundschule abholen wollte, begegneten wir einer anderen Mutter, die den gleichen Weg zurücklegte. Ich konnte die Maman gerade nicht der deutsch-französischen Familie zuordnen und hörte nur halb hin, als der eigene Nachwuchs sagte: „Die gehen jetzt Thore abholen.“ Dachte mir noch mit der WM-Sozialisation, komisch, wie kommt so ein Kindergartenkind auf die Idee, dass man Tore abholt, Jugendsprache kann das noch nicht sein, aber sei’s drum.

Erst angegekommen in der Grundschule fiel mir auf, dass Thore, ja klar, keine Fußballtore sein müssen, sondern just das Kind aus der deutsch-französischen Familie ist, welches hier von seiner Maman abgeholt wird (wobei ich keine Ahnung habe, wie der nordische Schlenker in der Namensgebung reingekommen ist). Und sprach besagte Maman dann kurz darauf an, wie ich Thore mit Tore verwechselt hatte. Worauf sie meinte, dass Thore manchmal jetzt auch etwas schreckhaft sei, wenn es da immer heißt, und „er schießt und TOR!!“

Ich musst schmunzeln, beglückwünscht die Französin für den ordnungsgemäßen Einzug ist Achtelfinale und trug mit Fassung, als ich zu hören bekam, das mit der WM interessiere sie erst, wenn es jetzt dann so richtig losgeht.

Merci! Und „hasta luego“!

WM Kader 2022

Deutschland ist bei der WM ausgeschieden. Die Sonne brennt herunter. Die Kinder sind lustlos. Die Fanbilder (s.o.) abgehängt.

Jungs, wollen wir ein Eis essen gehen oder auf den Fußballplatz?

Fußball!!!

Einstimmig.

Ahhh. Lieber Jogi (oder lieber N.N.), ich hätte da ein paar Vorschläge für den Kader 2022. Die Moral stimmt schon mal!

 

Statistik ist das Eine – das Andere ist der Weiße Hai

Nach diversen Sommerlochtiermeldungen (Kroko, etc.) nun endlich mal was Handfestes. Weißer Hai vor den Balearen erstmals seit dreißig Jahren zweifelsfrei identifiziert. Die Meldung passt. Alle, nein, alle und leider noch ein paar mehr werden in den nächsten Wochen versuchen, auf Malle ihre Füße und die ihrer Kinder im Wasser baumeln zu lassen. Da bekommt diese Meldung schon einen anderen Drive als, sagen wir mal „Im Tümpel von Buxtehude wurden Pirahanas gesichtet“. Wer badet schon in Buxtehude?!

Meine erste Reaktion. Auch wenn gerade bei unserem Viertklässler das Thema Zeitung in der Schule dran ist. Man muss ja nicht alle Meldungen am Frühstückstisch besprechen.

Meine zweite Reaktion. Seriöse Information. Spektrum.de, eingebunden in ZEIT online, greift das Thema heute auch auf. „…Keine Panik!“ lautet das Ende der Titelzeile. Aha, und warum dann mit Ausrufungszeichen! Hat der Autor dieser Zeilen etwa auch schon das Planschen mit dem eigenen Nachwuchs auf und vor Ibiza vor Augen? Dennoch folgen nüchterne Zahlen. Mehrere Milliarden Badende pro Jahr, wenig Dutzende Haiangriffe. Und überhaupt, niemals auf Malle. Ganz weit weg.  Erleichtert möchte ich schon Wegklicken.

Dann aber dieser letzte Absatz, der irgendwie wieder die Panikattacke der Titelzeile aufgreift:

„Das Risiko einer Attacke lasse sich zudem durch einfache Verhaltensänderungen weiter verringern, so Haiforscher: Schwimmer sollten möglichst nicht in der Dämmerung oder nachts ins Wasser gehen, sich in der Nähe von Fischern, Fischschwärmen oder fischenden Seevögeln aufhalten oder glitzernde Materialien am Körper tragen, die Haie neugierig machen könnten. Überproportional häufig sind zudem Surfer betroffen, die eine Reihe von Verhaltensweisen zeigen, die Haie anlocken und zu Bissen verleiten, weil sie die Sportler mit Beute verwechseln. Im Fall eines Angriffs soll man sich wehren und dem Tier auf Nase, Augen und Kiemen schlagen.“

Himmel. Wenn es denn keine Haiattacke geben wird, warum dann diese sehr konkreten Verhaltensregeln? Ich meine, ich gehe zwar als Papa nicht als glitzernde Wassernixe ins kühlende Nass, aber: Da wo ich bin gibt es per definitionem Seevögel und Fische. Und Surfen ist ja jetzt auch nix wirklich Exotisches. Und dann, etwa, Auge im Auge mit meinem Filmfreund aus Kindertagen, soll ich diesen Artikel beherzigen und gezielt auf Nase, Augen und Kiemen schlagen? „Du süßes kleines Fischli, kannst Du Dich bitte mal zur Seite drehen, damit ich Deine dollen Kiemen sehen kann?“ Hallo??!! Keine Panik???!!!

Wenn ich einen seriösen Artikel zu Meteoritenschauer lese (die Leoniden kommen mal wieder, oder so), finde ich ja auch keinen Hinweis darauf, dass ich mich wohl im Keller meines Hauses am besten vor Meteoriten bis zu 2 KG schützen kann. Oder, präzisere. Das Risiko eines Meteoriteneinschlags auf meinem Kopf weiter reduzieren kann.

Achja, ich versuche heute mal beim Familienabendessen zu ventilieren, ob wir diesen Sommer nicht doch lieber in die Berge gehen.