Im Schweiße meines Angesichts

Das physikalische Prinzip der Kondensation von Wasser ist der diesjährige Renner an unserem spanischen Urlaubsort. Will heißen: Wenn nach gefühlt einer Minute sich am halbvollen Milchglas an der Außenseite viele Wassertropfen gebildet haben – genau bis zur Höhe der eingeschenkten, kalten Milch -, wissen unsere Kinder nun, dass wir uns an einem Ort mit hoher Luftfeuchtigkeit befinden. A propos „gefühlt“: Ich hätte diese Info auf meiner Wetter-App ernster nehmen sollen. In den vergangenen Sommen waren wir in dem so zu Unrecht als super heiß verschrieenen Andalusien bei 38 Grad („gefühlt 39 Grad“) unterwegs. Hier in Alicante haben wir nur 33 Grad, gefühlt sind das hier laut App immer 10 Grad mehr. Und ich bin nicht sonderlich lebensfähig bei 43 Grad.

Das Kondensationsprinzip betrifft logischerweise nicht nur die Milch: „Du stinkst“ sagt der Piratensteuermann auf seine direkt-charmante Art. Und er wird wohl recht haben, da mir der Schweiß nur so herunterfließt. Wundliegen nennt man es doch, wenn ich mich recht entsinne, wenn der Nachwuchs zu lange in seiner eigenen … herumliegt. Ich glaube, ich habe mir die Achseln wund gelegen. Die alte Babypopocreme tut es dabei wunderbar.  Noch gebe ich der Versuchung nicht nach, die besonders saugfähigen Newborn-Windeln unter die Achseln zu klemmen.

Doch soll hier nicht nur geklagt werden. Die Dame an meiner Seite meinte mit diesem tropischen Blick: Sag mal, hast Du abgenommen? Ich stutzte und antwortete, ich wüßte nicht, warum. Denn die Auswirkungen einer Schwitzkur waren mir bis dato nicht klar.

Bis ich mal wieder einkaufen geschickt wurde. Nachdem ich das Auto erfolgreich wieder auf den viel zu kleinen Tiefgaragenparkplatz unserer Ferienwohnung rangiert hatte, griff ich wie üblich beherzt die zwei Ikeataschen, um schweißbenetzt die letzten Meter zur Wohnung zurückzulegen. Freundlich wollte ich noch dem spanischen Herrn Papa von der Wohnung gegenüber grüßen, als mir die Shorts runterrutschen. Nein, nicht so ein bisschen. So ganz.

Auch das ein Grund für: Nie wieder Schwitzkur!

Ich vermute mal, so nette Verbotsschilder an der Tür zum Kinderzimmer wird es spätestens ab der Pubertät nicht mehr geben.

Ich flieg auf Dich!

Irgendwann wird der Tag kommen, und ich werde mich outen müssen.

Nicht das, was Sie denken mögen. Ich meine fußballerisch:

Ich war noch nie in meinem Leben in einem Fußballstadion. Und dabei hat doch Fußball sogar eine unterhaltsame Rolle in unserem Familienleben von Kindesgeburt an gespielt.

Aber Stadion? Ehrlich. Nie. Gar nie. Und ich habe es auch nicht vor. Definitiv.

Naja, vielleicht muss ich noch. Wenn die Kinder mich dazu nötigen. Ich beim Würfeln zum „Wer muss in den Fanblock?“ gegen meine Frau verliere. Ins genderbezogene Rollenvorbild als echter Vater gedrängt. Oje, wahre Männer müsst ihr sein. Aber ich werde nicht darüber schreiben, versprochen.

Aber in anderen Dingen, da bin ich ganz Junge. Das Kind im Manne. Und das verblogge ich auch gerne: Ferngesteuertes. Alles was fährt, schwimmt und …. fliegt. Einen guten Freund von mir nennen meine Kinder nicht beim Namen, sondern: „Dem, dem der Hubschrauber in die Suppe geplumpst ist.“ Ich glaube, dieser Ehrentitel würde in einer Indianersprache galaktisch gut klingen. So allerdings werde ich immer daran erinnert, dass das Indoor-Steuern dieser Kleinhubschrauber in Kindes- wie Erwachsenenhand nicht einfach ist.

Darum haben wir jetzt die Parrot Mambo ausprobiert. Einen Zacken teurer. Und einfach besser. Die Parrot Mambo ist kein Hubschrauber, sondern eine Minidrohne mit einer guten Portion selbststabilisierender Technik an Bord. Und das macht einfach höllisch Spaß. Indoor wie Outdoor.

Im Fachgeschäft hatten sie uns eine andere Drohne empfohlen. Keine Selbststabilisierung im Flug. Das wäre für Kinder ausreichend. Lieber Fachverkäufer: Nee, leider nicht. Denn es war einfach ein Hubschrauber mit vier Rotoren und nannte sich Drohne. Mein guter Freund würde nie wieder bei uns speisen wollen. Bin ich mir sicher. Anhand dieser anderen Drohne – und ich nenne jetzt keine anderen Markennamen – konnte ich den Kindern nur das Wort „Kamikaze“ beibringen. Einmal. Leider nicht öfters. Wenn Sie verstehen.

Die Mambo ist anders. Macht vorprogrammierte Saltos in der Luft. Kann von der Hand aus gestartet werden, ein leichter Schubser in die Luft. Fliegt weg wie ein Schmetterling. Und über eine Art Legoverbindung kann man ihr eine kleine Kanone montieren oder einen Greifarm. Es gibt eine automatisch-autonome Start – und Landefunktion. Alles Funktionalitäten, die Sie sich lieber anschauen als beschreiben lassen. Dazu oben schon der Link zum offiziellen Produktvideo. Die professionelle Drohnenflieger-Community mag das mit einem müden Lächeln abtun. Hey, aber für die kids und mich ist das ein Riesenspaß.

Zwei Aspekte muss man ein bisschen relativieren. Zum Einen die Fotofunktion. Funktioniert nur direkt nach unten. Und die Qualität ist, sagen wir mal, überschaubar. Funfotos für die Kinder. Aber selbst die wollen da eigentlich mehr. Ich werde deswegen bald über die Parrot Bebop 2 berichten. Mit vernünftiger Video- und Fotofunktion. Die Überschrift steht schon. „Weg mit der Vollpfostenantenne und her mit den coolen Familienfotos- und videos aus der Luft!“

Und der andere Knackpunkt alles Batteriebetriebenen macht natürlich auch der Mambo zu schaffen. 5 Minuten Flugzeit. Mehr nicht. Das ist so kurz, das  können Sie gar nicht gerecht auf drei Kinder verteilen. Da helfen nur Extrabatterien (eine Ersatzbatterie ist schon dabei). Vielleicht befüllen wir dieses Jahr den Adventskalender mit Mambobatterien. Ist auch gut für die Figur.

Ein wirklich genialer Aspekt habe ich aber im Netz bislang kaum kommentiert gefunden. Die Legoverbindung der Mambo ist nicht nur tauglich für Greifarm oder Kanone. Sondern die Noppen sind Garant für die Verbindung zur kompletten Legospielwelt. Wer so wie wir sich vorwiegend in der Lego Star Wars – und Ninjago-Welt bewegt, dem sei gesagt: Die Mambo wird dadurch noch vielfältiger einsetzbar. Legopiloten können aufgesetzt werden, Legosteine transportiert, etc. Und Mamas überredet: Nein, liebe Mama, wir spielen nicht einfach unkreativ und faul mit Smartphone und Drohne. Da ist Lego-Fantasie drin.

Weil wir bisher mehr gesteuert als ich gefilmt habe, verlinke ich hier auch noch auf einen realistisches Testvideo. Und ergänze: Das mit der Smartphone-Steuerung klappt auch in Kinderhand gut. Und halte in einem Punkt dagegen: Ja, die Mambo Parrot wackelt ein bisschen, wenn man sich darunter stellt. Sucht sich eine neue stabile Fluglage. Für erwachsene Drohnenflieger mag das ein ärgerlicher Autonomieverlust sein. Für die Kinder und mich ist das überhaupt Garant dafür, dass wir fliegen können, ohne in der Suppe zu landen.

Les grandes vacances

Und einmal im Jahr ist sie da. Die Stille. Ein Moment der Furcht und Freude zugleich. Kinder und Frau sind aufgebrochen zu den Großeltern in den Süden. Sommerferien. Schöner doch das französische Wort der „grandes vacances“. Große Ferien sind es ja. Einen Sommer lang. Welch unermessliche Zeitspanne klingt da noch aus der eigenen Kindheit nach. Wer dessen eigentümlichen Zauber nicht folgen kann, ich weiß nicht, soll sich vielleicht einmal an Marcel Pagnols „La Gloire de mon père“ versuchen.

Doch die eigene Kindheit ist verschwunden. Wie nun Kinder und Frau in den Süden. Es bleibt zurück der schnöde Angestellte im Gewirr der Urlaubstageregelung in Abstimmung mit den Kollegen. Große Ferien kann ich nicht mehr. Ich bin erwachsen. Ja, ich werde der Familie hinterherkommen. Entsprechend tariflicher Vereinbarung. Aber erst in einer Woche oder so.

Wenn ich nach getaner Arbeit nach Hause komme, an diesem ersten Tag im Jahr allein. Dann ist sie da. Diese Stille. Manchmal traue ich mich erst gar nicht, die Wohnungstüre zu öffnen. Die Stille weist schon weit vor der Türe darauf hin, dass heute nichts ist wie an jedem anderen Tag im Jahr. Ein gekipptes Fenster reicht normalerweise schon, um bereits in 50 Schritt Entfernung informiert zu sein, ob Wut und Freude die Kinder zuhause gerade bewegen. 30 Schritt, und ich weiß, was gerade Thema des Streits oder des Spiels ist. Und mit der Drehung des Schlüssels im Schloss kommen mir die Meinigen entgegengelaufen und rufen: „Papeldachs!“ (Nein, ich habe keine Ahnung, woher das Wort kommt. Aber Ihre Kinder haben ja auch ihre Wörter für Ihre Familie erfunden, bestimmt).

Und an diesen Tag im Jahr ist sie da. Diese Stille. Kein Kindergebrüll, keine kindliche Freude. Allein das häusliche Chaos erinnert daran, dass es immer noch eine Familienwohnung ist und kein Double-Income-No-Kids Designer Homestay. Offene Stifte, verstreutes Lego, Kaplahölzer und unvermeidlich viele Kleinteile von Playmobil. Alles was normalerweise mich dazu bewegt, nebst aller Freude auf das unvermeidliche, abendliche Aufräumen hinzuweisen, all dies guckt mich nun genauso irritiert und orientierungslos an wie ich die ganze Wohnung. Sinnentleert, diese Stille. Funktionsloses Spielzeug. Das Leben ist ausgezogen. Vorübergehend.

Dies ist der Moment der Furcht. Die Freude, vernunftgemäß, wird sofort eintreten. Was kann man unendlich vieles noch erledigen an einem Feierabend? Ohne Kinder im Haus. Tatkraft ist im Anflug.

Doch dieser erste Moment der Furcht vor der Stille ist wichtig. Nie bin ich mir bewusster, was ich habe, als in diesem Moment. Dann schüttle ich das alles ein bisschen von mir ab. Nehme tatkräftig Fahrt auf und erledige, was zu erledigen ist. Und freue mich jetzt schon auf den Moment, wenn das Haus wieder voller Leben ist.

Ovomaltine

Früher als Kind habe ich das Ovomaltine-Pulver mit Löffeln gegessen. Nun wieder entdeckt als Schokoaufstrich. Für die eigenen Kinder . Nur frage ich mich, was die Marketingleute geraucht haben, als sie diesen Spruch auf das Glas brachten…. Aber in der Schweiz mag alles ein bisschen anders sein.

Wenn die Leafmen im Kletterwald sind

Nicht immer steht der Aufwand für ein Kindergeburtstag in Relation zu seinem Erfolg. Aus Kinderperspektive. Manch durchgestylte Eltern-Choreographie, sicherlich mit viel Liebe und Aufwand vorbereitet, stößt auf wenig Gegeninteresse beim kindlichen Hauptadressaten. Ich bin beispielsweise gerade dabei zu überlegen, wie wir eine Seeschlacht von 1805 in ein kindergeburtstagtaugliches Event verwandeln können. Und gestehe, bislang ohne Ergebnis. Andere Themen geben da einem deutlich mehr Spielraum. Aus eigener Erfahrung liefen bei uns eine Ewoks-Schlacht und ein Leafman-Geburtstag sehr erfolgreich. Wer den Leafman-Film nicht kennt, schaue hier mal nach. Kommerziell war der Film wohl weniger erfolgreich, aber sehr kindergeeignet mit einer Geschichte, die eine Botschaft hat. „Wenn die Leafmen im Kletterwald sind“ weiterlesen

An die Idioten des Islamischen Staates

Ihr Idioten vom Islamischen Staat,

ich habe gestern Abend meinen Kindern vorgelesen und sie dann ins Bett gebracht.

Irgendwo in Manchester haben wohl zur gleichen Zeit ein paar Eltern ihren Teens viel Spaß mit auf den Weg gegeben, zu einem Konzert eines ihrer Stars. Vielleicht haben die Eltern noch gesagt: „Pass auf Dich auf, betrink Dich nicht, komm wieder gut nach Hause.“ „An die Idioten des Islamischen Staates“ weiterlesen