Klasse wir singen …. fragt sich bloß was?

Klasse wir singen ist eigentlich eine tolle Aktion. In a nutshell geht es darum, dass einige tausend Grundschulkinder an einem Ort einstudierte Lieder singen. Tolles Ereignis, große Halle, viele Leute. Gut, alles also Dinge, die in diesen Coronatagen wie so vieles ausfallen müssen. Heute morgen kam aber doch ein interessantes Detail ans Licht. Der Viertklässler am Frühstückstisch meinte, dass nun doch viele seiner Klassenkameraden nicht mehr die vierte Strophe des Hauptliedes singen wollen. Naja, wir Deutschen haben ja mit Melodie und Text einzelner Strophen eh so unser Problem, siehe Nationalhymne, aber ich wurde neugierig:

Ich: “ Ja, warum denn?!“

Der Viertklässler: „Wegen des Virus!“

Ich: „Ach so.“

Der Viertklässler: „Nein, Papa, du hast es nicht verstanden. Es geht um den Text!“

Ich habe gerade noch einmal gegoogelt. Jetzt verstehe ich es:

 

 

Kackbraten

Heute bat mich der Viertklässler, eine Geschichte auszudrucken.

Ich schwöre, ich schnüffel nicht in seinen Sachen rum! Und er hat mich auch keine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben lassen! Ich bin mir dennoch ziemlich sicher, dass ich Autorenrechte verletzen werde, wenn ich hier eine Sneak-Preview (oder heißt das dann Pre-Read??) veranstalte:

„Sie brachen in die Schule ein und gingen ins Lehrerzimmer. Sie änderten ihre Zeugnisse […] Weil sie Hunger hatten, stahlen sie eine Süßigkeit vom Direktor, Herr Kackbraten.“

Als staatlich verfügter Agent und Lektor dieses aufstrebenden, jungen Autors bereite ich mich mental auf jede Menge Unterlassungserklärungen vor, wenn wir mit diesem Werk an die Öffentlichkeit gehen werden.

 

Corona und die kids

Corona ist natürlich auch ein Thema für und im Kinderzimmer.

Gestern, am Sonntag, sind wir friedlich vom Park mit dem Fußball zurückgelaufen. Drei Häuser weiter in unserer Straße ein Krankenwagen. Ohne Blaulicht. Ganzkörperverhüllte Sanitäter halfen gerade einen älteren Mann mit Atemschutzmaske in den Wagen. Unaufgeregt. Genauso unaufgeregt der Kommentar des fast Zehnjährigen: „Das ist wegen des Corona-Virus.“ So richtig hatte ich nicht sofort eine Antwort parat. War erst einmal klammheimlich froh, dass der potenzielle Patient auf der Straßenseite gegenüber einstieg. Sicherheitsabstand.

Bei uns in Bonn ist das Thema ja schon präsent. Im Viertel war es just die Grundschule, auf die unsere Kinder nicht gehen, die jetzt in Quarantäne ist. Aus der weiterführenden Schule unseres Sechstklässlers das ebenfalls eher lapidare Kommentar, dass Mitschüler  P. in Quarantäne sei, wegen seiner kleinen Schwester just auf jener Grundschule. Die andere Mama, die dort an der OGS arbeitet und just in der Woche, in der der erste Fall dort auftrat, glücklicherweise Urlaub hatte. Das Fußballspiel gegen die Mannschaft der International School (nächster Infektionsfall), wo just der Jahrgang 2012 (nicht unserer) unseres Fußballvereins ein Spiel am vergangenen Samstag gehabt hätte. Abgesagt.

Das Thema ist auch für die Kinder präsent und sehr konkret. Totschweigen hilft da nicht. Und wäre auch blöd. Da lobe ich mir doch die Kindernachrichtensendung Logo, die neben den allfälligen Tipps einfach mal ein Interview mit dem ersten Infizierten in Deutschland gemacht hat. Subtext: Mir geht es gut, und ich bin wieder gesund.

Doch klar ist, eine Attitüde geht nicht im Gespräch mit den eigenen Kindern gar nicht. So tun, als ob Papa alles im Griff hat und Mama alles weiß, ist nicht. Zumindest in der Altersgruppe an Kindern zwischen sieben und elf – der unsrigen Kinderschar – ist das auch auch nicht notwendig. Die Kinder verstehen, dass diese Situation auch für Erwachsene neu ist. Auf keine Erfahrungswerte zurückgegriffen werden können. Und das ist auch eine Chance für das Gespräch von Eltern und Kindern.

Wie oft wissen denn Kinder nicht, wie es weitergehen soll! In vielen Belangen des Lebens. Herleiten aus Bekanntem, Ableiten aus bereits Gelerntem, logische Schlüsse ziehen, Wissen, das bereits vorliegt, anwenden. Und da sitzen wir nun mit den Kindern im gleichen Boot. Gemeinsam bewertet man neue Informationen, lehnt einiges als Quatsch ab, stuft andere Sachen so ein, dass man sie ins Leben nimmt. Händewaschen ist nun Pflicht. Richtig. So wie es überall gezeigt wird. Ein Krankenwagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist kein Grund, kreischend davonzulaufen. Die Verkleidungen der Herren und Damen Sanitäter keine Mummenschanz aus der Geisterbahn, sondern pragmatische Notwendigkeit. Dann sieht das Ganze schon nicht mehr so gefährlich aus. Gut ist es. Und dem älteren Herren, der da gerade mitfahren muss, wünschen wir alle viel Glück, dass der Verdachtsfall am Ende dann keiner mehr ist.

Unser dreigliedriges Schulsystem…

Pünktlich zum jahresüblichen Anmeldekorso für die weiterführenden Schulen in Deutschland nimmt sich SPON auch mal wieder dieses Themas an. Debatte zum Schulwechsel – Die Abschaffung des Gymnasiums wäre politischer Selbstmord – Viele Eltern plagt die Frage, auf welche Schule ihr Kind nach der Grundschule wechseln soll.“

Ein paar Anmerkungen dazu, schon zum Titel. Reisserischer geht es gar nicht: Niemand spricht von der Abschaffung des Gymnasiums. Das stimmt einfach nicht. Es geht doch nur um die Diskussion, ob ein dreigliedriges Schulystem mit Selektionszwang von der Regel Neun- und Zehnjährigen wirklich für die Beteiligten wie für die Gesellschaft sinnvoll ist. Und dazu sagen die allermeisten Experten NEIN!

Und diejenigen, die dazu JA sagen, sollten sich mal selbstkritisch hinterfragen, ob dahinter nicht ein ungesunder Egoismus steckt, das eigene Privileg der Bildungs- und Besitzbürgertums gegenüber einer potenziellen, ungeliebten Konkurrenz von womöglich bildungshungrigen Unterschichtkindern zu erhalten (ok, das war jetzt etwas zugespitzt und polemisch).

Ungesund ist der Egoismus gleich schon deswegen, weil der an die gesellschaftliche Spitze gelangende eigene Vorzeigenachwuchs hinterher dann sowieso die finanziellen Transferleistungen aufbringen muss, um die vermeintlich missratenen Kinder, die im Erwachsenenalter dann auch dank der Dreigliederung des Schulsystems wirklich missraten werden, einigermaßen ruhig zu halten. Hartz IV, finanzielle Aufwendungen für Sozialarbeit und Sicherheitsleistugen (Polizei, Gefängnis, etc…). Auch polemisch, ich weiß. Aber vielleicht ist es mal an der Zeit, es pointiert herauszurotzen.

Mit etwas mehr Contenance. So sehr ich Grundschullehrerinnen und -lehrer im Allgemeinen mag, und ich mich schlicht freue, wie sie versuchen aus unseren Kindern das Beste herauszuholen (und wer bis hierher gelesen hat, versteht hoffentlich, dass ich das nicht nur schulleistungsbezogen meine), so sehr tun sie mir leid, wenn vor ihnen diese unbewältigbare Aufgabe anstehte, die Kinder in der vierten Klasse schon ihren vermeintlich gesellschaftlichen Rang und Platz zuzuweisen. Scharfrichter scheint mir da ein moralisch einfacheres Berufsbild zu sein.

Achso, und dann noch dieser Untertitel: „Viele Eltern plagt die Frage, auf welche Schule ihr Kind nach der Grundschule wechseln soll.“ Nee, von einer Plagerei kann da eigentlich nicht die Rede sein. Wir Eltern gucken uns die Institutionen an, wo unserer Kinder die nächsten Jahre einen Großteil ihrer Zeit verbringen werden. Ganz einfach. Und alle Eltern wollen für ihr Kind das Beste. Das bestehende System führt halt zu den angemerkten Dysfunktionen. Innerhalb des Systems verhalten wir Eltern uns völlig rational. Sorry.

vom Palindrom zum Palindrömchen

Huch, war mir gar nicht klar, bis ich heute in der FAZ gelesen habe, dass wir einen wunderschönen Palindromtag heute haben. Nein, das ist keine Krankheit und auch kein Feiertag. Einfach eine Zeichenkombination, die von vorne wie von hinten gleich gelesen werden kann. Schöner, ausführlicher und besser erläutert das Wikipedia.

02.02.2020

Das ist schon was, vor allem, wenn die FAZ hier verweist, dass der letzte Datumseintrag, der von vorne und von hinten gleich gelesen werden kann, der 11.11.1111 war. Etwas länger her.

Und als stolzer Papa möchte ich schon hinzufügen, dass unser Jüngster am

3.1.13

geboren wurde. Das ist jetzt eher ein Palindrömchen, aber immerhin hat der junge Herr das damals gleich damit kompensiert, als dass er um Punkt 13 Uhr das Licht der Welt erblickte.

Deswegen ein kleiner Gruß an alle magischen Zahlengeburtstage mit Palindrom oder ohne.

Und ein besonderer an meine längst verstorbene Großmutter, die mit dem Geburtsdatum

19.08.1908

mich schon als Kind beeindruckte.

 

Alle Jahre wieder…

…werde ich daran erinnert, dass es morgen in NRW wieder Schulzeugnisse gibt. Ernsthaft habe ich mich über diesen Notenkram mal hier ausgelassen.

Gerade aber flatterte dazu wieder einmal die Zeugnisgeld-Mail eines lokalen Geschäfts rein. Ja, ein Euro als Einkaufsgutschein für eine Eins. Habe ich letztes Jahr nicht so dolle gefunden, hier. Aber nachdem es niemanden juckt und alle den schnöden Mamon abgreifen wollen (ja, alle, wir auch), dieses Jahr einen Vorschlag zur Güte: Bringt doch, liebe Kinder, das aktuelle Zeugnis und das letzte mit. Und wer sich da verbessert hat, dem könnte doch man doch einen ausgeben. Wer sich um eine Note verbessert hat, ein Euro. Wer sich gar um zwei Noten verbessert hat, zwei Euro. Das würde mir irgendwie besser gefallen, wenn schon alles monetarisiert werden müsste. Und wo die Noten schlechter wurden? Dann hoffe ich mal auf die praktische Intelligenz der Kinder, dass sie dann das Zeugnis hier nicht vorzeigen. Sonst müssten sie womöglich noch bei der Inventur helfen.

You mudlark!

Ich bin generell nicht sonderlich begeistert, wenn mich abends, spät abends, nach getaner Hausarbeit noch ein paar Schulhefte erwarten. Sorgfältig aufgeschlagen, teils mit Zetteln versehen, erinnern sie mich stumm daran, dass ich den Kindern versprochen hatte, noch einen Blick darauf zu werfen. Klar, 23:00 Uhr, ich halte mein Wort, lieber Herr Erstklässler, Herr Viertklässler und Herr Sechstklässler.

Wenn dann aber in der sechsten Klasse im Englischunterricht irgendein wahnsinniger Schulbuchredakteur es für didaktisch angemessen findet, das Wort ‚mudlark‘ einzuführen, flippe ich aus. Ja, ich bin kein Philologe und sicherlich sind Texte in einer Fremdsprache nur halb so spannend, wenn sie sich nur aus Worten zusammensetzen, die sehr häufig in dieser Fremdsprache gebraucht werden. „Lucky charm“ war so ein Eintrag im Englisch-Vokabelheft in der fünften Klasse. Aber dafür gab es wenigstens noch eine deutsche Entsprechung („Glücksbringer“).

Ich weiß nicht, was der erwähnte Schulbuchredakteur geraucht haben muss, als er dachte, ‚mudlark‘ ist ein Wort im Englischen, welches ein Elfjähriger schon beherrschen sollte. Aber spätestens, als er herumtüftelte, ob es denn dafür eine deutsche Übersetzung geben könne, müsste ihm doch aufgefallen sein, dass das vielleicht kein Geistesblitz war. Aber nein, er hat wohl weiter geraucht. Und so hat mein Sprössling brav die Vokabelliste in sein Vokabelheft übertragen. Die Spalte im DIN A 5 – Vokabelheft war hier halt etwas eng, aber man kann es immer noch entziffern: „Jemand, der im Schlamm nach Sachen sucht, die er dann verkaufen kann.“ Hej, da müsste man doch ein Nomen finden können: Verschlammtesachenverkäufer oder so ähnlich.

Und morgen am Frühstückstisch muss ich wieder so tun, als wäre es doch wirklich, jeden Tag, und in allen Belangen, sinnvoll und sinnstiftend, in die Schule zu gehen.

Ich alter Heuchler.

 

Allen ein leckeres…

…2020. Besser kann das Neue Jahr doch nicht starten, oder :-)?

Stikeez – der Ersatz für die paninilose Zeit

Es ist für alle hart. Diese Zwischenjahre zwischen EM und WM. Hart für uns: Kinder, Konsumenten, Konzerne. Was soll man bloß sammeln, wenn es keine Nationalmannschafts-Sammelbilder in 38 Varianten gibt?

Natürlich kann man WMF-Punkte oder Ähnliches bei Edeka mitnehmen. Regelmäßig liegen solche abgerissen Klebestreifen bei uns noch rum. 22 Kleberchen, und man bekommt einen WMF-Topf 5 Euro billiger. Aber der Reiz verfliegt, wenn man den gleichen WMF-Topf bei Amazon schon 10 Euro billiger bekommt. Ganz ohne Kleberchen.

So oder ähnlich muss ein Brainstorming in einer Marketingabteilung bei einem Discounter vor Jahren mal abgelaufen sein. Und dann hatte jemand den Geistesblitz der Stikeez. Ich habe recherchiert, aber Mr. Google konnte mir nicht sagen, woher dieser Namen kommt. Jedenfalls sind die kleinen Weichteilpropfen einfach zu süß für die Kleinen.
Naja, nach den Gemüse-Stickeez von Lidl im vergangenen Jahr ist jetzt halt mal Aldi mit den Smiley-Stickeez dran.

Der Lerneffekt ist immens. Selbst in den Pausenhöfen der Grundschule wird das Gesetz von Angebot und Nachfrage (ein Einhorn gegen drei Glitzersmileys) in die Praxis umgesetzt. Wer fordert da noch ‚Wirtschaft‘ als reguläres Schulfach? Ok, außer der FDP natürlich.

Seit einem Monat kaufen wir nur noch bei Aldi ein. Und unser Sechsjähriger sagt: „Wir MÜSSEN bei Aldi einkaufen, auch wenn es mal nicht so gut schmeckt.“ Zum Beispiel die versalzenen Bio-Maultaschen dort, sorry, Aldi, geht gar nicht. Selbst die Schmalspur-Ökonomen (also, ähm, die Marketingheinis) müssen erkennen, das sind absolute Best-Practice-Lernerfolge.

Wir sind also dabei, sind freundlich zu den Damen und Herren vor und hinter uns in der Warteschlange an der Kasse. Kann man ja mal immer was abstauben, wenn sie so kinderlos aussehen. Und an der Kasse natürlich zuckersüß zum Personal. Dann gibt es mal ein Schächteln ‚Stickeez‘ obendrauf.

Herbsteszeit ist Sammelzeit. Outdoor wie Indoor. Viel Spaß.

Rechtschreibnazi Folge 2

Ich habe mich vor einiger Zeit darüber ausgelassen, dass man sich meiner Meinung nach in der deutschen Sprache doch bitte schriftlich so bewegen solle, wie es die Rechtschreibung vorgibt. Und mich gewundert, dass man für sachdienlich gemeinte Hinweise (nein, es heißt nicht „Oma’s gemütliche Kneipe“, sondern eben „Omas gemütliche Kneipe“) dann schon eine Hakenkreuz-Watschen bekommt. „Rechtschreibnazi Folge 2“ weiterlesen