Von der ästhetischen Verwerflichkeit einer Anhäufung von Spielgeräten

Vor langer Zeit erschien in Nido mal ein Artikel, wie toll doch die Aufzucht der eigenen Brut mit lokalem Engagement, Stadtviertelpolitik o.ä. zu vereinbaren sei. Nachdem ich ja bereits die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie konstatiert habe, muss ich die Vereinbarkeit von lokalpolitischem Engagement und Familie und Beruf nicht auch noch behandeln, oder? Ich nahm mir dennoch die Angelegenheit zu Herzen, sprich, sie kam auf meine To-do-Liste als gefühlter Punkt 347, und ich fühlte mich gleich besser.

Erinnert wurde ich dieser Tage wieder daran, als mich eine Rundmail einer anderen Kindergartenmutter erreichte: Der lokale Park bei uns vor der Haustüre werde umgestaltet („Davon wusste ich nichts!“). Gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung, einen zentralen Spielplatz einzurichten, hätten sich bei der Bürgerversammlung die Menschen mehrheitlich ausgesprochen. Dies würde das Bild des Wäldchens stören. Man solle doch die Spielgeräte vereinzelt aufstellen („Ich musst erst tief einatmen und dann lauthals lachen.“).

Deswegen hier mein offener Brief an die lieben, lokalpolitisch engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürger, vulgo:

Ihr zeithabenden, kleinkarierten Partikularinteressenvertreterinnen und –vertreter!

Ich habe Verständnis für Ihr Ansinnen, dass Spielgeräte, wenn überhaupt, nur vereinzelt  und am Rande aufgestellt werden sollten. So am Rande, Richtung des gut befahrenen Wittelsbacherrings ist das immer für eine kleine Notarzteinlage gut. Außerdem ein Kind weniger, schon mal weniger Lärm. Ich meine sowieso, dass ein Spielplatz eigentlich nichts anderes ist als eine Einladung zur gefährlichen Zusammenrottung von dubiosen Subjekten zwischen 4 und 10 Jahren. Hier sollte die Stadt in der Tat Einhalt gebieten.

Auch habe ich mit großem Interesse von Ihrer Wahrnehmung erfahren, dass ein Spielplatz in seiner Häufung die Ästhetik unserer Parkanlage stören würde. Dies halte ich, ganz ehrlich, für einen interessanten und für mich neuen Blickwinkel. Vielleicht könnten vor diesem Hintergrund andere Gesichtspunkte ebenfalls bedacht werden: So fiel mir auf, dass diese Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer sich ebenfalls häufig zu kleinen Gruppen zusammenfinden. Auch hier hielte ich es aus optischen Gründen für angebracht, ein Versammlungsverbot auszusprechen. Schließlich handelt es sich bei unserem Baumschulwäldchen um eine gepflegte Parkanlage und nicht um einen schäbigen Fetzen Grün für ein Wolfsrudel.

Überhaupt, um hier die Schönheit der Anlage bewusst wahrnehmen zu können, sollte in Erwägung gezogen werden, neben den Vierbeinern auch allen Zweibeinern das Lustwandeln im Park zu verbieten. Wie oft schon lauschte ich dem Gesang unserer heimischen Vögel im Baumschulwäldchen und wurde ganz unangenehm von nichtsnutzigen, schwatzenden Flaneuren gestört.

Selbiges sollte, so meine Meinung, ganz besonders für diese Rollatorengangs gelten. Durch deren schweren Schritt, das gewichtige Aufstützen auf den Rädern der Rollatoren wird nicht nur die angedachte Kiesbestreuung der Wege womöglich nachhaltig geschädigt. Nein, es entstehen auch mit der Zeit, traktorenähnliche, tiefe Fahrrinnen, die unsere Parklandschaft dauerhaft zerstören werden.

Da ich leider bei der kommenden Bürgerversammlung wie eine Vielzahl anderer Eltern nicht anwesend sein  werden kann, möchte ich Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger darum bitten, meine Punkte in die Diskussionen mit einzubringen.

Mit den besten Grüßen

Ihr Nachbar

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3 Kommentare zu „Von der ästhetischen Verwerflichkeit einer Anhäufung von Spielgeräten

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