Wenn der Osterhase high ist

Vor einiger Zeit gab uns eine erfahrene Kindergartenmutter einen guten Tipp zur Frühlingszeit. „Hört mal, jetzt geht es bald wieder los, im Kindergarten, die wollen wieder ohne Ende ausgeblasene Eier. Da wird jetzt angemalt und gebastelt auf Teufel komm raus. Ich habe da eine gute Idee für Euch. Beim ***Geschäft um die Ecke, da gibt es dieses Set für Ostereier. Kleiner Blasebalg, Kanüle rein ins Ei, Eidotter rausgepumpt, fertig ist das ausgepustete Ei.“ Aha, dachte ich mir, scheint interessant zu sein. Ostereiermassenproduktion ohne hochroten Kopf.

Überzeugungskraft war noch bei der spanischen Gattin zu leisten, die natürlich Plastikeier ins Spiel brachte. Nachdem auch dieser Hürde genommen war („Nur original ausgeblasene Eier können der deutschen romantischen Seele ein wahrhaft himmlisches Ostergefühl verschaffen.“), konnten wir uns die Eierausblasmaschine zulegen. Hätte der Kindergarten Elternpreise für Helden der Eierarbeit verteilt, wir wären sicherlich in die engere Auswahl gekommen. Ein kulinarisch eher unschöner Nebeneffekt war, dass es bei uns wochenlang nur Omelette in all seinen Variationen zu essen gab.

Nach Ostern fristete das Ausblasbesteck nachvollziehbarerweise ein Schattendasein. Zuallererst, weil die Nachfrage nach ausgeblasenen Eiern schlagartig auf Null sank. Aber auch, wen wundert‘s, weil wir Eier aus unserem Speiseplan gestrichen hatten. Ein Schattendasein in einem Haushalt mit Kindern führt allerdings unweigerlich dazu, das sich über kurz oder lang niemand mehr daran erinnern konnte, wo denn nun Blasebalg und Kanüle abgeblieben war. Wen schert es, so lange nicht Ostern vor der Tür steht. Elternamnesie machte sich breit.

Monate später machen wir einen Familienhotelurlaub. Adrette Herberge, kinderlieb, was man sich so wünscht. Bis meine Gattin auf dem Zimmer den Fußboden inspizierte und eine sonderbare Kanüle fand. Drogenbesteck? Welche Gäste hausten hier vor uns? Müssen wir sofort abreisen? Wir waren gedanklich schon auf dem Weg zur Rezeption, eine saftige Beschwerde zu formulieren, als wir das Corpus delicti noch einmal näher betrachteten. Und kicherten. Nichts anderes, als die Kanüle des Eierausblassets hatte es auf wundersame Weise in den Reisekoffer geschafft und war im Hotelzimmer irgendwie auf den Boden gefallen. Ostern kann wieder kommen. Drogenfrei.

erschienen in Flummi – das Familienmagazin für Wiesbaden, Mainz & drum herum

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2 Kommentare zu „Wenn der Osterhase high ist

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