Der 19. Dezember, ein denkwürdiger Adventskalendertag

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Vor ein, zwei Jahren spülte uns die aufmerksame Verwandtschaft ein Adventskalenderbüchlein in das Leben, welches von sich selbst behauptet, eines der „bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Kinderbuchfiguren“ geschaffen zu haben: „Das große Schnüpperle Weihnachtsbuch„.

Es gibt Dinge im Leben, bei denen weiß man, woran man ist.  Wenn es um den Einkauf des allgemeinen Nachwuchsbedarfs – auch bei Kinderbüchern –  geht, gehört bei uns Baby Waltz dazu. Bei Schnüpperle war mir nach dem ersten Dezember klar, dass ich wusste, was ich habe. Das größte Rätsel aller Zeiten, weswegen dieses Buch eine auch nur im Ansatz denkwürdige Kinderbuchfigur geschaffen haben soll. Ich bin nicht so böse, wie die Jungs von Daddylicious, die vor einiger Zeit gnadenlos mit Bobo Siebenschläfer abgerechnet haben. Ich habe diesen Adventskalender einfach aussortiert. Kopfschüttelnd, aber weg damit.

Bis mich eine belletristisch bewanderte Kindergartenmutter auf den 19. Dezember aufmerksam gemacht hat, besser gesagt, auf Schnüpperles 19. Dezember. Und so haben wir auch dieses Jahr den Schnüpperle-Adventskalender ausschließlich am heutigen Tag gelesen. Mehrfach. Und lagen wieder vor Lachem auf dem Boden.

Ich vermute stark, dass hinter der Autorin von Schnüpperle – Barbara Bartos-Höppner- eine Reihe von Ghostwriter stehen, oder es hat sich am 19. Dezember unbemerkt ein anderer, gewitzter Schreiber aus ihrem Umfeld ans Werk gemacht. Warum? Wohingegen es in fast allen anderen Tagen um vorhersehbare, strunzlangweilige, mit pädagogischem Zeigefinger geschriebene Alltagssituationen geht, ist am 19. Dezember einfach alles anders (verzeiht, falls ich ein paar Seiten übersehen habe, aber ganz habe ich mir dieses Buch auch im Überflugmodus nicht angetan): Schnüpperle ist allein zuhause. Schnüpperele mit seinen 5 Jahren (!) ist allein zuhause. Das ist schon ein Hinweis auf den  subversiven Humor der folgenden Absätze. Der Bauer Hoppe kommt vorbei und möchte die vorbestellte Weihnachtsgans abgeben. Nun ist Schnüpperle aber instruiert, niemanden reinzulassen. Gerade weil sich Einbrecher verstellen würden. Ein wunderbar ironischer Schlagabtausch entwickelt sich durch die geschlossene Haustür, wo der Bauer seine Glaubwürdigkeit mittels Weihnachtsgans beweisen möchte, die – so Schnüpperle in seiner kindlichen Auffassung – ja wohl eine lebende Gans sein müsste.

Kostprobe: Die Gans soll durch den Briefkasten schauen. Bauer Hoppe: „Das geht nicht, sie ist eingepackt.“ Schnüppere messerscharf: „Siehste, du bist doch ein Einbrecher! Du hast Ausreden und willst bloß rein.“ Dieser dialogue de sourds zieht sich dann noch über zwei Seiten hin, der verbundene Kopf, der nicht schnattern kann, die nackte Gans, die Vater garantiert nur mit Federn gekauft haben würde, ein Rupfen, das Schnüpperle viel schlimmer vorkommt als das Haareziehen bei seiner Schwester.

Wir lachen uns kringelig. Jedes Jahr. Aber nur am 19. Dezember.

Liebe Kindergartenmutter, der Name ist mir gerade entfallen, ein herzliches Dankeschön aus den Tasten. You made our day.

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3 Kommentare zu „Der 19. Dezember, ein denkwürdiger Adventskalendertag

  1. Dazu fällt mir nichts ein, ausser dass ich demjenigen, der mit Bodo abgerechnet hat, gerne die Hand schütteln würde. Ein Riesenglück nur, dass unsere mit vier und sechs mittlerweile zu alt dafür sind. Jedenfalls habe ich das beschlossen.

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