Von Glücksgefühlen und Keksen und: Glückskeksen

2015-05-20 13.56.37

Die Mama hat den Piratensteuermann – baldiges Vorschulkind – eine Woche nach Madrid mitgenommen. Gelobt sei die Kindergartenzeit, verdammte Schulpflicht würde der Piratenkapitän, Erstklässler, formulieren, hätte dies schon in seinen Wortschatz Eingang gefunden.

Es fehlt im Übrigen nicht nur in seinem Wortschatz, sondern auch in seiner Lebenswelt die Begrifflichkeit ‚jemandem etwas gönnen‘, und sei es dem geliebten kleineren Bruder. Jedenfalls nahm er nachvollziehbar verdrießlich im Telefonat zur Kenntnis, dass bei knapp 30 Grad Gazpacho geschlürft wird, 1700 km weiter südlich.

Ich gestehe, auch ich war in diesem Moment über die Schulpflicht nicht glücklich. Jedenfalls war es an der Zeit, dass auch wir in Bonn Zurückgebliebene ein Konkurrenzprogramm aufziehen mussten. Unsere Wahl fiel auf die Ocean Paradise, das nette Chinarestaurant auf dem Rhein, hier in Bonn, gleich an der Kennedybrücke. Für alle pekuniär Interessierten – auch wenn ich mich hier freundlich über unseren Stammchinesen äußere, denn das schwimmende Restaurant ist lecker und kinderfreundlich: Wir zahlen immer noch die gleichen 14,90 Euro für das Büffet wie Sie auch!

Die Stimmung war gehoben und nach einem aus meiner Perspektive recht sittsamen Abendessen und voller Sättigung kamen die obligatorischen Glückskekse. Nun ist der Piratenkapitän  schon ein eifriger Erstleser, weswegen er mir recht flüssig, aber eben auch hoch konzentriert und damit laut vortrug: Ihr hitziges Naturell erfährt eine Stabilisierung.

Gelächter an den Nachbartischen. Ich, einigermaßen verdrießlich, denn, wie gesagt, für unsere Verhältnisse waren die Jungs (der Schiffsjunge mit seinen zwei Jahren war auch dabei) äußerst sittsam. Kein Koi aus dem Teich geholt, nicht über Bord gegangen, nichts von den Tellern an den Nachbartischen gegessen. Absolut bibelschulentauglich aus meiner Perspektive.

Gequältes Grinsen von mir also in die Runde der anderen Gäste.

Ich zum Erstleser: „Gut, mein Großer, gemeint ist damit, dass Du eigentlich ein Schlawiner bist, aber das wird im Laufe der Zeit besser.“ Mit dieser Erkenntnis wurde der Glückskekszettel von dem jungen Mann sofort zerknüllt. Daraufhin ich: „Du kannst meine haben, wenn Du willst.“ Mir war an einem versöhnlichen Abschluss des gelungenen Abends gelegen. Laut gelesenes Ergebnis: Man muß leben, wie man kann, nicht wie man will.

Das war dann auch mir zu blöd. „Weißt Du was, großer Mann, wir essen die Glückskekse nur noch und lesen die Zettel einfach nicht mehr. Ok?“

erschienen in Moskito – das Familienportal für Bonn und die gesamte Region

 

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