Wie schnell man mit Kinderkrankheiten hinter Gitter kommen kann…

oder von einem Papa, der unfreiwillig auszog, die Quarantäne zu fürchten:

Ich gebe zu, wir gehen manches Mal zu McDonalds. Und hoffen inständig, dass alle Happy Meal – Spielzeuge noch vorhanden sind. Sonst droht unser Nachwuchs, Kleinholz aus dem Laden zu machen. Doch vor der Mayo-Pommes-Ketchup-Nuggets-Orgie werden bei uns die Hände gewaschen. Das ist Pflicht. Sollte der Zustand des fälschlicherweise ‚still‘ genannten Örtchens allerdings einen höheren Verschmutzungsgrad nach dem Händewaschen vermuten lassen als davor, haben wir immer griffbereit ein Handdesinfektionsmittel dabei.
Mit der Zeit wird man aber in diesen Hygienedingen etwas nachlässig. Da sind dann die Tage hilfreich, an denen die Kleinen mehr als ein Pamperspaket am Tag brauchen, und die Großen das kurz zuvor verspeiste Mittagessen dem Teppichboden vorlegen. Unser kleines Händesaubermach-Spiel halten wir dann wieder sehr viel konsequenter ein.
Aber auch ich kenne die einschlägige Literatur in Sachen klinischer Reinheit. Zur Stärkung des noch jungen, unbedarften Immunsystems braucht es einen Stimulus, vulgo: Dreck. Doch wenn mein eigenes, vermutlich ausgereiftes Immunsystem vom Virus überrannt wird, die fünfköpfige Familie schön abwechselnd über den zwei heimischen Kloschüsseln hängt, ist mir das mit der Stimulierung eigentlich herzlich egal.
Glücklicherweise sucht eine solche Magen-Darm-Seuche das Familienjahr im Schnitt nur einmal auf. Hört sich doch gut an im Vergleich zum Standardsatz der Kinderärzte bei Husten und Schnupfen: So zwölf bis vierzehn Infekte im Jahr bei den Kleinen seien ja normal. Das bedeutet, dass ihr nasetriefendes Kind Sie damit an gefühlten 333 von 352 Nächten im Jahr nicht schlafen lassen wird. Wenigstens bleibt im Erkältungsfalle der Teppich sauber. Zurück zum Verdauungstrakt. So ein kleiner, fieser Magenvirus braucht schon seine Woche, bis er sich durch die ganze Familie gefressen hat. Damit hat es sich dann aber auch. Meistens.
Nur einmal ging es bislang bei uns weiter: Im Minutentakt kam oben wie unten alles raus. Schnell war klar, dass mit dem Kleinen Stufe 2 erreicht war. Ab zum Kinderarzt. Ich übernahm den Gang zur Praxis. Wohl auch deshalb, weil ich mit meinen Klamotten bislang geschickt den Spuckattacken ausgewichen war und somit im Gegensatz zu meiner Frau sofort aufbrechen konnte. Über Stufe 3 klärte mich der Arzt nach kurzem Check schnell auf. Die Dehydrierungsgefahr in diesem Falle sei doch sehr hoch, weswegen ein Krankenhausaufenthalt an der Infusionsnadel doch angebracht sei. Aha?! Ja, sofort, und im Übrigen in dem Alter mit Elternteil-Begleitung. Der Arzt schaute mich an, als wäre ich ein begriffsstutziges Kamel, welches beim Durchzug durch die Wüste immer noch nicht erkannt hat, was eine wasserspendende Oase ist.
Das mit der Oase war die falsche Metapher, wie ich bei der Ankunft im Kinderkrankenhaus schnell merkte. Ich bekam ein Quarantänezimmer gemeinsam mit dem Nachwuchs, zu allem Übel auch noch mit vergitterten Fenstern. Die Schwestern nuschelten mich nur durch den Mundschutz an, wenn die Infusion ausgetauscht werden musste. Mein Essen bekam ich durch eine Klappe gereicht. Drei Tage und drei Nächte. Der Kleine kam Gottseidank wieder zu Kräften. Aber ehrlich gesagt, das mit den Schnupfennächten mache ich seither wirklich ganz gerne.

erschienen gekürzt in Flummi – das Familienmagazin für Wiesbaden, Mainz & drum herum

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6 Kommentare zu „Wie schnell man mit Kinderkrankheiten hinter Gitter kommen kann…

  1. Wir sind ja bekennende Krankenhausbewohner, aber hinter Gittern waren wir trotz Isolierstation zum Glück noch nie 🙂 Da wollen wir euch mal die Dauemn drücken das ihr nicht noch einmal einen solchen Sonderaufenthalt erleben müsst.
    PS: Mein Vaterherz leidet bei den kleinen Rotznasen auch immer sehr mit.

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