Maria hilf!

Eigentlich ist ja der Mai der Marienmonat. Für uns Bonner Eltern sind es alle Monate. Des Rätsels Lösung nennt sich umständlich „Zentrale Kinder- und Jugendärztliche Notfallpraxis am St. Marien-Hospital Bonn“. Ich glaube, die Adresse steht bei jedem von uns im Navi.

Und wer es immer noch nicht glaubt, ich sage es Ihnen: Unsere Kinder haben ein Zeitgefühl. Pünktlich vor dem Schlafengehen, oder nachmittags bevorzugt mittwochs und freitags (klassische Nachmittage der geschlossenen Tür bei Ihrem Kinderarzt) und ganz selbstverständlich am Wochenende werden sie krank, unser lieben Kleinen. Beule, Fieber, Durchfall und mehr. Und schon sitzen Sie im Auto auf dem Weg zum Marienhospital.

Reihum machen die Bonner Kinderärzte hier Dienst und spätestens ab Ihrem zweiten Kind haben Sie, so denke ich, einen guten Überblick über die komplette Bonner Kinderarztlandschaft. Hilft ja allemal, wenn ein Umzug ansteht oder so. Ärztehopping ohne Standortwechsel.

Aber lassen wir mal die Ärzte hier ihre (gute) Sache machen. Schauen wir uns uns Eltern an: Auch hier endlich mal ein anderes Publikum, nicht immer die gleichen aus dem Viertel. Klar, die Grundtypen sind überall vertreten:

Die Erstlingseltern. Hier ist immer Papa und Mama mit dabei. Tief gebeugt über das schlafende Kleine, um dem intensiven Kümmern seine besondere Note zu geben. Manchmal kommt es ganz heftig. Ich meine nicht das Wehwehchen, sondern die Pflichterfüllung als Erstlingseltern. Dann kommt meist noch ein schnaufendes Großelternteil hinterher mit diversen Taschen und Flaschen und so. Als würde der Enkel in jedem Fall gleich eine Woche eingebuchtet werden. Im Ernst, das kommt vor. Auch ich schaute schon trübe durch das Fenster des Krankenhauses auf meiner Quarantäne-Station. Aber ist jetzt nicht gerade die Regel.

Der Klassiker: Die verbrämten Schlafanzughosen von Vater schauen unten raus. Aus dem Schlaf gerissen, schnell eine Jacke übergeworfen. Trifft man aber häufiger, wenn es wirklich mitten in der Nacht brennt. Man in der echten Notaufnahme am Marienhospital steht. Ich liebe da besonders den Spruch der mir zwischenzeitlich wohl bekannten Nachtschwester. „Uiih, heute ist mal wieder was los.“ Ich sage Ihnen, der Sonnenaufgang von da oben, der hat was. Der Grundtyp hier ist allerdings seltener anzutreffen in der Variante ‚Nachthemd‘. Ich habe dafür keine richtige Gender-Erklärung. Vielleicht sind wir Jungs weniger auf unser Äußeres aus? Oder uns zieht es unten nicht so rein – s. Blasenentzündung.

Schon spezieller: Elegant angezogene Eltern. Kann man sich lang und breit ausmalen kann, auf welcher edlen Cocktailparty der Anruf des Babysitters sie gerade erreicht hat. Stöckelnd, leicht verschmierter Lippenstift, manchmal genervter, häufiger aber doch verständnisvoller Blick auf das bleiche Gesicht in den Armen. Hilft mir, die Wartezeit zu vertändeln, immer interessant, sich die Geschichte drum herum auszumalen: Womöglich gerade mit dem Cocktailglas in der Hand den Smalltalk über Vereinbarkeit von Beruf und Familie runtergedudelt, als das Handy in der schicken Handtasche bellte („Bellender Klingelton“ ist der letzte Schrei, habe ich mir sagen lassen.).

Nur gestern Abend, da verstand ich das nicht. Wie kann jemand gegen Neun abends im November noch in Golfklamotten kommen? Komisch, von Flutlichtgolfen im Rheinland habe ich noch nie etwas gehört. Oder Indoor? Schäferstündlein mit dem Golflehrer. Wenn ich da so sitze, komme ich auf die schrägsten Gedanken.

Naja, aber mein Tiefpunkt war dieses Mal schon der Vater mit seinem Handyspielen. Sie haben das richtig gelesen. Der Vater mit seinem Handyspielen. Dass die kids auf die Schnelle nichts Besseres für den Zeitvertreib haben als das elterliche Handy, geschenkt. Hier sollte man Gnade vor medienpädagogischem Recht walten lassen. Nur so rum, das geht wirklich nicht: Das Kind wollte unbedingt an die Daddelkonsole. Der Papa ließ es nicht. Maria hilf!

erschienen abgeändert in Moskito – das Familienportal für Bonn und die gesamte Region

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