I am no man for multitasking – zur Unvereinbarkeit von Beruf und Familie

Also nicht dass Sie meinen, ich schreibe nur. Manchmal arbeite ich auch. Ehrlich gesagt bin ich ein ganz normaler Nine-to-Five Mensch. Five-to-Nine ist zwar anstrengender. Aber Nine-to-Five ist mein verlässlicher Brötchengeber. Kritisch wird’s, wenn es mal Nine-to-Nine wird. Oder ein Auswärtstermin ansteht.
So wir vor ein paar Wochen in Berlin. Delegation aus Südamerika. Wissenschaftspolitik. Sie können es sich ja gut vorstellen. Langer Konferenztisch, die obligatorischen Saft-Wasser-Inseln mit Gläsern garniert in Armreichweite von jedem. Namensschilder. Kameras.

Nein, das mit den Kameras war nun gelogen, so wichtig ist mein Nine-to-Five auch nicht.

Aber brav auf der einen Seite die Südamerikaner, auf der anderen Seite wir. Aus irgendeinem Grunde fehlten die Fähnchen. Auch egal. Es zieht sich. Bilaterale Kooperation, neuer Plan, Nachhaltigkeit, Umwelteffizienz, Projektvorschläge. Die gleichen, austauschbaren Schlagwörter wie immer. Das gleiche angestrengte, freundlich-ernste, aufmerksame Nicken. Die gleichen Fragezeichen in den Gesichtern meiner Kollegen. Mein Blick wandert hinaus zum Fenster über den Gendarmenmarkt. Schön haben es die Berliner Kollegen hier. Aber mein Flieger geht gleich. Wann ist das hier zu Ende?
Mein Zeitraster war ziemlich eng. Nicht nur wegen des Fliegers. Meine bessere Hälfte war beruflich in Madrid, ich in Berlin. Die Wegstrecken der Eltern nach Hause betrugen zwischen 600 und 1600 km. Ein Segen, dass die engagierte Tagesmutter von Piratensteuermann kurzfristig für den Abend das Babysitten übernehmen konnte. Erfahrene Frau, die wirft nichts so leicht um. Genau das Richtige für unsere Lümmelbande. Kaum hatte ich mir diesen Gedanken noch einmal wiederholt, vibriert mein Handy auf dem Tisch. Geübtes, unauffälliges Gleitenlassen unter den Tisch. Und über dem Tisch: Jaja, der Projektvorschlag höre sich prima an, eine sorgfältige Prüfung könne auf jeden Fall zugesagt werden, gegebenfalls sollte vielleicht jetzt schon an eine Fact-Finding-Mission und ein Evaluationskonzept gedacht werden. Ach?! Schon vorgesehen, prima. Endlich kann ein schneller Blick unter den Tisch gehen. Die SMS ist kurz und knapp: „Es geht nun wirklich nicht mehr, die Jungs werfen mit Schuhen nach mir, was soll ich machen? LG XXX.“ Aus dem Wolkenkuckucksheim internationaler Verhandlungen unvermittelt im Saustall der irdischen Tatsachen gelandet. „Was ist nun?“ schaut mich mein Chef an. Ähm ja, der Schuh-Aspekt müsse natürlich auch berücksichtigt werden. Shoes? Die Verhandlungspartner sind irritiert. Nein, ich meinte natürlich den Schulaspekt. School, secondary education. Basics for science. Ich lasse meinem Chef ein paar Notizen da. Blicke entschuldigend in die Runde und tue so, als würde ich mit dem Handy schon in meinen Flieger einchecken, während ich in Wirklichkeit eine Beschwörungsformel an die Tagesmutter simse. Multitasking ist nichts für uns Männer, Verhandlungen sind entweder über den Tisch oder unter dem Tisch zu führen. Beides gleichzeitig geht nicht, zumindest nicht bei mir.

 

Mein bester Blog des Jahres – #‎mbbdj‬ – Blogparade von der Kellerbande

 

 

 

 

nde .

Advertisements

2 Kommentare zu „I am no man for multitasking – zur Unvereinbarkeit von Beruf und Familie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s