Sandburgenzeit – Männerzeit

Es ist Sommerzeit. Urlaubszeit. Sandburgenzeit. Und man(n) sieht es wieder ganz deutlich: Väter sind die besseren Mütter.
Schaut, der Sohnemann möchte einfach einen Hügel aufschütten. Wieder und immer wieder. Schaufel und Sand. Mehr braucht es dazu nicht. Daneben der Vater. Am Anfang zuschauend und stolz. Dann blitzt es verräterisch in seinen Augen auf. Jetzt kommt’s, denke ich mir.Da lebt wieder einmal einer das Dilemma zwischen modernem Vater (Elternzeit!!) und seiner Sozialisation (Karriere!!). Wie sich die Sache weiter entwickelt, vermute ich den professionellen Werdegangs dieses von inneren Kämpfen zerrissenen Vaters im Bereich Statikbüro, Ingenieur oder so. Jedenfalls was Technisches. Nun ist nämlich Schluss mit dem simplen Hügelaufschütten. Die Großschaufel nimmt der Selbst-ist-der-Mann nun an sich. Der Sandhügel wird in Nullkommanichts zu etwas, was ich zwischen Alpenrelief und Himalaya-Panoramakette einordnen würde. Und dann. Es war abzusehen: Im Stil eines Horizontalbohrers wird nun der Gotthard-Tunnel nachmodelliert. Abgestützt mit kleinen Holzzweigen, höchst professionell. Spätestens hier ist ihm die Bewunderung aller garantiert. Aller anderen anwesenden Väter. Der eigene Sohnemann schaut allerdings etwas belämmert drein und zieht sich in den Strandkorb zurück.
Wir sind aber auch sonst einfach die Besten. Der simple Alltag mit dem Nachwuchs wird von uns Vätern doch optimal gemeistert. Nehmen wir den sportlich modernen Jungvater. In der Vor-Nachwuchsphase vollberuflich eingespannt, liebt er seine Jahreskarte für das örtliche Fitnessstudio. Schafft es dorthin mindestens zweimal die Woche. Die nun anstehende Elternzeit mit dem kleinen putzeligen Schnuckelchen malt er sich geradezu traumhaft aus. Viermal die Woche, locker. Und zwar nicht zu den feierabendlichen Stoßzeiten mit Anstehen für das Duschen. Immer dann, wenn er will. Täuscht sich natürlich gewaltig. Aber das Training wird sich auszahlen. Und: Weiter trainiert wird zuhause. Mir ist es aufgefallen bei diesen sogenannten einarmigen Kochrezepten. Toll: Auf dem einen Arm das Schnuckelchen und mit dem anderen kochen. Spaghetti sind auf Dauer aber langweilig. Wichtig: Das Schnuckelchen findet es aber auf Dauer gut, beim Kochen mitzuschauen. Also. Einarmiges Kochen erfordert nicht nur Geschicklichkeit (= weibliche Tugend), sondern ganz simpel Kraft und Ausdauer (tärä, das sind wir Männer!). Weitere Vorteile: Einseitige Belastung des bevorzugten Armes und drohende Verkümmerung des anderen Arms werden vermieden. Die Rechtshänder werden automatisch mit dem rechten Arm kochen. Der linke Arm trägt das Baby. So werden normalerweise vernachlässigte Muskelpartien gestärkt.
Es fällt Ihnen nun wie Schuppen von den Augen auch in anderen Alltagsmomenten? Klar. Wer schon einmal gegen den Willen des Schnuckelchen die Windel gewechselt hat, weiß: Es hilft kein geduldiges Zureden. Nur Kraft und Ausdauer. Sonst hat man im wahrsten Wortsinne verschissen.

Und die Dehnungsübungen erst!  Lockern bis die Gelenke krachen. Mit Kindern eine wahre Wonne. Erst gestern war ich wieder mit unseren zwei Schnuckelchen einkaufen. Am einen Arm den Doppelkinderwagen, am andern den Einkaufswagen. Beide voll. Jede Richtungsänderung wird zum Erlebnis. Als ich zuhause ankam, fühlte ich mich wie ein Orang-Utan.
Aber ich hatte es geschafft. Kraft und Ausdauer. Dafür stehen wir Väter.

erschienen in Auszügen in Moskito – das Familienportal für Bonn und die gesamte Region

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