Vernünftige Beschäftigung für Brüsseler Bürokraten

Lieben Sie das nicht auch? Im Schaufenster ausgestellt. So wahnsinnig detailgetreu. Das Polizeiauto. Der Krankenwagen. Der Bagger. Alles wie in echt. Mir geht es genauso. Glänzende Augen, die sich dem Schaufenster nähern. Nein, ich meine nicht die Kinderkulleraugen. Die glänzen immer. Mal vor Freude. Mal vor Tränen. Ich meine unsere Augen.  Die von den Eltern. Zugegeben, meist von uns Vätern. Der Kran, also so was. Ganz realistisch. Jede Kurbel, jede Schraube. Da zuckt es einem in den Fingern. Da möchte man auch mitspielen. Mann ist ja nachgerade froh, wenn der Nachwuchs nicht dabei ist, und mann endlich mal selbst in aller Ruhe diese Drehleiter betrachten kann. Oohhh, wunderbar! Die Wäsche, also ehrlich, das ist nicht so unser Ding. Aber im Spielwarenladen den Geschenkekorb für den nächsten Kindergeburtstag zusammenzustellen, uii, da heben wir ganz schnelle die Hand. Machen wir gerne.
Unser letzter Kauf war das Playmobil-Feuerwehrauto. Schläuche, Winden, Äxte, Steckverbindungen. Alles da. Einfach alles. Geschätzte 265 Einzelteile.
Heute verfluche ich diese Kaufentscheidung. Gerade habe ich alle Einzelteile wieder eingebaut, zusammengesteckt, aufgeräumt…. Uff. Ca. wertvolle 20 Minuten der Schlafenszeit des Babys (kleiner Bruder vom Besitzer des Feuerwehrautos). Ich wusste gar nicht, dass die sogar die Flutlampen dermaßen in Einzelteile zerlegt werden können. Furchtbar. Natürlich können Sie das mit dem Aufräumen auch lassen. Dann wird aus Ihrem tollen Feuerwehrauto mit geschätzten 265 Einzelteilen innerhalb kürzester Zeit ein rudimentäres Etwas mit geschätzten 23 Einzelteilen. Sie werden das verräterische Klackern im Staubsauger (immer dann, wenn eines der Einzelteile auf Nimmerwiedersehen ins Staubbeutel-Nirwana verschwindet) nicht mehr zählen wollen. Der Blick befreundeter Eltern wird viel versprechend sein: Die spielen doch nicht mit ihren Kindern, sondern schütten sie einfach zu mit Spielobjekten. Man sieht doch, dass sie sich gar nicht um das, was ihrem Nachwuchs wichtig ist, kümmern. Furchtbar, diese materialistische Einstellung. Und wenn Sie dann, mit Ja, aber…. anfangen wollen, merken sie schon, dass nichts schlimmer ist als Meinungen, die sich in solchen Details bestätigt sehen (wollen).
Am Schlimmsten aber gehen Sie mit sich selbst ins Gericht. Gerade weil das Feuerwehrauto so klasse echt aussieht, schmerzt Sie das Fehlen des rechten Außenspiegels. Selbstverständlich haben Sie auch die Möglichkeit, Ihrem Sprössling Regeln auf dem Weg zum Feuerwehrmann mitzugeben. Erst auseinanderbauen, dann wieder zusammenbauen. Doch nicht nur die Ratgeberliteratur in Ihrem Regal sagt, dass dies zwei höchst unterschiedliche Entwicklungsphasen sind. Ihr Bauch weiß das auch. Lieber demolieren, plündern, zerlegen, etc. Folglich sind es immer wieder Sie, die sich der großen Kunst des Zusammenbauens widmen werden.
Deshalb meine Bitte an Brüssel: Endlich eine europaweite Regelung für Beipackzettel von realistischem Kinderspielzeug mit mehr als 10 Einzelteilen. Die geschätzte Wiederzusammenbauzeit ist anzugeben. Das ist mindestens so wichtig wie der Warnhinweis zur Verschluckbarkeit der Einzelteile.
PS: Ich habe diese Zeilen als Jungvater geschrieben. Das ist etwas her. Der Besitzer des Feuerwehrautos kommt nun in die Schule. Der Piratensteuermann ist kein Baby mehr und beim Schiffsjungen hoffen wir nur, dass er nicht maßgeblich (mittels Verschlucken) an dem Schwund der Einzelteile mitwirkt. Und: Es ist uns egal (geworden), was (ehemals) befreundete Elternpaar denken. Wenn wir Zeit haben, wollen wir nur noch schlafen. Soll doch aufräumen wer will. Auf Brüssel ist einfach kein Verlass.
PPS: So alt sind unserer Jungs noch nicht, aber die Verlegerin schreibt mir nach Lektüre dieser Zeilen: „Just zur Zeit suchen wir noch so ca. 30 Einzelteile des Feuerwehrautos, das mein Großer (13 Jahre alt) jetzt gerne verkaufen möchte, und was bekomme ich von ihm zu hören – ‚Mensch Mama, da hättest du dir beim Aufräumen ja echt mal mehr Mühe geben können.‘ “ Ich werde mir also wieder Mühe geben.

erschienen in Sommersprosse – das Familienmagazin für Hannover und Umgebung

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